Geleit für den Monat Juli

hl. Petrus

Liebe Freunde und Wohltäter!

Der Monat Juli wird wegen des Festes zu Ehren des Kostbaren Blutes unseres Herrn und Erlösers, das Papst Pius IX. zum Dank für die glückliche Rückkehr nach Rom am 3. Juli 1849 nach den Wirren der Revolution, auf die ganze Kirche ausdehnte, als der Monat des Kostbaren Blutes bezeichnet. In diesen Monat fallen aber auch eine große Menge von bedeutenden Marien- und Heiligenfesten. Unter anderem auch das Fest der hl. Mutter Anna, der Großmutter unseres Herrn und Erlösers. Bereits um 150 nach Christus läßt sich eine Verehrung der hl. Mutter Anna nachweisen. Im 6. Jahrhundert feiert der Osten ihr Fest am 25. Juli, das Abendland feiert ihr Fest seit dem 8. Jahrhundert am 26. Juli, da hier der 25. Juli bereits mit dem Fest des hl. Jakobus des Älteren belegt ist. Die hl. Schrift nun berichtet uns nichts über die Mutter Mariens, doch hat sich wohl Wissen über ihr Leben in den mündlichen Berichten der ersten christlichen Generation erhalten, so daß wir einige Predigten von Kirchenvätern zu ihrem Fest haben. Wenn wir aber gemeinhin an die hl. Anna denken, so sind es wohl am ehesten die Darstellungen der bildenden Kunst in unseren Kirchen, die uns ihren Blick auf sie richten lassen. In der Regel haben diese Darstellungen das Thema „Mutter Anna lehrt Maria beten“. Denn wenn eines wohl am sichersten zu behaupten ist, dann das, daß das Gebetsleben der Kinder wesentlich von dem der Eltern geprägt wird. Wenn wir nun vom Gebetsleben Mariens aber rückschließen dürfen auf ihre Mutter, dann steht uns in der hl. Anna eine wahrhaft fromme Frau vor Augen. Aber nicht eine Frömmigkeit, die gleichsam losgelöst von den Standespflichten im luftleeren Raum schwebt, sondern eine in das konkrete und alltägliche Leben eingebettete, gesunde, starke und lebenstüchtige Frömmigkeit. Denn für die hl. Mutter Anna gilt nach den Worten der Kirche in der Liturgie wahrlich das Lob der Tüchtigen Frau aus dem Buch der Sprüche. Wenn nun auf den Gemälden die hl. Anna Maria beten lehrt, so zeigen uns diese Bilder nicht nur ein gleichsam ideales, bzw. idyllisches Verhältnis von Mutter und Kind, diese Darstellungen wollen mehr. Sie wollen zur Nachahmung anregen und anspornen. Denn gerade das Gebet der Eltern für die Kinder, das Gebet der Eltern mit den Kindern, und das Anleiten der Kinder zum selbständigen Gebet ist eine der zentralen Aufgaben einer christlichen Erziehung. Kinder sind in der Regel Nachahmer ihrer Eltern. Wenn Kinder bei ihren Eltern eine lebendige Gottesbeziehung, die sich konkret in einem regelmäßigen Gebetsleben zeigt, sehen, werden sie auch umso leichter selbst zum Gebet bereit sein und selber eine eigene Gottesbeziehung aufbauen. Wenn nun die Kirche schon seit ältester Zeit die hl. Mutter Anna verehrt, dann ehrt sie in ihr jene Frau, die dem auserwählten der Menschenkinder, der allerseligsten Jungfrau Maria das Beten gelehrt hat. Gleichzeitig bittet sie aber auch diese hl. Mutter Anna, daß wir auf Ihre Fürsprache der Verheißungen Christi, nämlich des Ewigen Lebens teilhaftig werden dürfen. In diesem Sinne möchte ich Ihnen allen das Gebet für die Kinder, und so Gott der Herr Sie in die Rolle der hl. Anna, ihrer Tochter oder ihrem Enkelkind gegenüber gestellt hat, das Gebet mit den Kindern oder Enkeln ans Herz legen.

Mit priesterlichem Segensgruß

hl. Petrus

Ihr P. Florian Grafl FSSP

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Wien - Österreich