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Die kommende Zeit der Septuagesima und des Fastens mahnt uns jedes Jahr von Neuem, mit größerem Eifer als zuvor dem Leben der Sünde und der irdischen Anhänglichkeit zu entsagen und das Gnadenleben zu entfalten. Dabei ist die Wachsamkeit des Herzens ein fundamentales Element dieses Kampfes. Denn ohne sie ist der Mensch der Welt, dem Teufel und seinen fleischlichen Leidenschaften ausgeliefert. Ein wachsames Herz ist beständig besorgt, die Seele vor jedem Makel der Sünde zu bewahren und die Gelegenheit dazu zu meiden. Gleichzeitig wird ein wachsames Herz stets die Möglichkeit suchen, Gott näher zu kommen und durch Beispiel und Wort auch andere dafür zu gewinnen. Die Wachsamkeit des Herzens verwirklicht die Aufforderung Christi: "Bleibt in mir und ich bleibe in euch." (Joh 15,4). Das "in Christus bleiben" ist unabhängig von Zeit, Ort und Tätigkeit. Allzeit müssen wir wachsam den Geschäften unseres Heiles nachgehen, wie der hl. Petrus es formuliert: "Brüder, seid nüchtern und wachsam, denn der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge könne." (1 Petr 5,8) |
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Besonders werden wir in der hl. Beichte zur Wachsamkeit aufgefordert. Denn die echte Reue ist notwendig mit dem Vorsatz zur Besserung verbunden. Ein Fortschritt wird aber nur dann erzielt werden können, wenn wir wachsam die Gelegenheit zur Sünde voraussehen und umgehen. Wachsam sein bedeutet also zum einen, vor der Sünde "auf der Hut" zu sein, andererseits auch, bereit sein, die Gnadenhilfen Gottes großzügig anzunehmen und sich unter Seinem Schutz zu bergen: "Weil er mir anhängt, will ich ihn retten, will ihn beschützen, da er meinen Namen kennt. Ruft er mich an, so erhöre ich ihn; ich bin bei ihm in der Drangsal, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren." (Ps 90,14ff)
Die Wachsamkeit läutert unsere Absicht, mit der wir etwas denken, reden oder tun. Denn selbst die besten Werke können durch eine schlechte Absicht (Stolz, Eitelkeit etc.) verdorben werden. Ein wachsames Herz wird den Vorsatz fassen, daß in allem Gott verherrlicht werde.
1. Die Gegenwart Gottes als Grundlage für die Wachsamkeit des Herzens
Ein wachsames Herz weiß um die Allgegenwart Gottes. Das beständige Bewußtsein, vor dem Angesicht Gottes zu wandeln, läßt ihn davor zurückschrecken, das Herz an die Sünde zu verkaufen. Der Mensch, der in der heiligmachenden Gnade steht, ist darüber hinaus ein Tempel Gottes: der Dreifaltige Gott nimmt durch die Gnade Wohnung in der Seele und verwandelt die Seele so in einen kleinen Himmel. Die Wachsamkeit des Herzens lenkt den Blick immer wieder auf die Herrlichkeit, die der Seele innewohnt. Durch häufigere Stoßgebete während des Tages wird diese alles entscheidende Wirklichkeit unseres Lebens in Erinnerung gerufen. Demgegenüber ist die Gottvergessenheit der Welt die Quelle aller Unvollkommenheit. Ein Mensch, der Gott vergißt, wird sich weder seines Beichtvorsatzes erinnern, noch wird er die Kraft besitzen, den Versuchungen des Teufels widerstehen zu können.
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2. Die Erlernung der Wachsamkeit des Herzens
Viele Sünden haben ihre Quelle gerade darin, daß das Herz sich nicht oft genug der Gegenwart Gottes erinnert. Deshalb ist es eine gute Gewohnheit, sich recht häufig durch Stoßgebete Gottes heiliger und heiligender Gegenwart zu erinnern. Viele Heilige haben beispielsweise beim Glockenschlag zur vollen Stunde kurz innegehalten, um sich von neuem bewußt zu werden, daß Gott auf sie schaut und ihr Leben und Wirken so unter Seinen gnadenvollen, wirkmächtigen Schutz gestellt.
Gott will nicht nur während der Zeiten des Gebetes und der Stille in unserem Herzen herrschen und wirken, sondern auch während unserer Arbeit und äußerer Beschäftigung. Damit diese nicht zu einer Quelle der Unvollkommenheit, des Unfriedens und der Ermüdung werden, wendet sich ein wachsames Herz im Wissen um die eigene Schwäche an Gott, damit Er der Seele die nötige Gnade zum guten Werk einflößen kann.
Die Wachsamkeit wird auch erlernt, indem man sich öfters am Tag seines Beichtvorsatzes erinnert, damit die Gelegenheit zur Sünde immer wirksamer vorausgesehen und umgangen werden kann. Keine Mühe darf uns zuviel sein, die Sünde zu meiden: "Wenn dein Auge dich ärgert, so reiß es aus, und wirf es von dir; es ist dir besser, mit einem Auge in das Leben einzugehen, als zwei Augen zu haben, und in das höllische Feuer geworfen zu werden." (Mt 18,9).
Die tägliche Gewissenserforschung (etwa am Abend) wird dazu führen, daß wir ein immer feineres und wachsameres Gespür für die Tugend entwickeln. Wenn uns Gott bei der Gewissenserforschung eine Sünde zeigt, dann deshalb, weil Er sie von uns entfernen und uns zeigen möchte, wie wir in Zukunft die Sünde meiden können.
Wenn man sich regelmäßig in der Gewissenserforschung der Führung des Hl. Geistes aussetzt, wird man sehr schnell neue Einsichten geschenkt bekommen. Nach und nach wird sich diese Schule der Gewissenserforschung nicht auf einige Augenblicke in unserem Leben beschränken, sondern einen dauerhaften Einfluß ausüben.
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3. Bedingungen der Wachsamkeit des Herzens
Niemand kann den Schlichen des Teufels alleine entgehen, auch wenn er noch so wachsam ist. Deshalb wird die Wachsamkeit des Herzens nur dann Erfolg haben, wenn man nicht auf die eigenen Kräfte, sondern vielmehr auf die Führung des Heiligen Geistes vertraut. Gott selbst soll uns Seine Einsichten schenken: "In Deinem Licht schauen wir das Licht." (Ps 35,10)
Der Teufel hat eine große Erfahrung, wie er den Menschen verführen kann, ohne daß dieser seine Pläne leicht durchschauen würde. Doch neben seiner Erfahrung und seinem großen Verstand kommt ihm zu Hilfe, daß der menschliche Verstand durch die Erbsünde verdunkelt und der Wille geschwächt ist.
Deshalb wird gerade ein wachsames Herz, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit, das ganze Vertrauen auf die Führung Gottes setzen. Das Mißtrauen gegen sich selbst und die Geschöpfe, die beständige Erneuerung der guten Vorsätze müssen in ein grenzenlosen Vertrauen auf die göttliche Vorsehung münden, die uns allezeit im Guten bewahren und fortschreiten lassen will. Die Wachsamkeit lenkt die Aufmerksamkeit der Seele auf die mächtigen Verbündeten im geistlichen Kampf hin: Christus, mit dem man durch die Gnade verbunden ist; die allerseligste Jungfrau Maria, Hilfe der Christen; der Schutzengel; die heiligen Patrone.
Die Heiligen sind allezeit bereit, uns zur Hilfe zu eilen. Die Wachsamkeit des Herzens erinnert uns daran, und lassen die Seele dieses Beistandes würdig erweisen.
Weit davon entfernt, unsere Handlungsfreiheit einzuengen, führt gerade das beständige Wachen in der himmlischen Gegenwart dazu, daß die alltäglichen Pflichten und Tätigkeiten nicht niederdrücken, sondern freudig und fruchtbar erfüllt werden. Ein wachsames Herz erneuert seine Kräfte allezeit, weil es von Gottes Gnade getragen wird: "Die aber dem Herrn vertrauen, erneuern ihre Kraft; sie bilden Flügel den Adlern gleich, sie laufen und werden nicht matt, sie ziehen dahin und ermüden nicht." (Is 40,31)
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4. Die Verehrung Unserer Lieben Frau erleichtert die Wachsamkeit des Herzens
Das Unbefleckte Herz Mariens ist das einzige Herz, das stets wachsam gewesen und niemals durch Trägheit und Gottvergessenheit der Sünde Einlaß gegeben hat. Die allerseligste Jungfrau Maria hat stets in der Gegenwart ihres göttlichen Sohnes gelebt und konnte so immer mehr in der Tugend wachsen. Ihre Absichten, mit denen sie gute Werke verrichtete, waren die lautersten, die einem Menschenherzen möglich sind. Daher ist sie in ihrer mütterlichen Fürsorge zu allen Gläubigen darauf bedacht, uns zur Wachsamkeit des Herzens zu mahnen. Ihr Herz ist uns aber nicht nur Vorbild, sondern auch ein wirksames Hilfsmittel, in der Wachsamkeit zu wachsen. Wie oft mahnt die Gottesmutter ihre Kinder, die Sünde zu meiden und durch Zuflucht in Ihrem unbefleckten Herzen sicher vor den Fallstricken des Teufels zu sein. Wenn wir unsere Handlungen Maria übergeben, werden diese geläutert und so eine Gott wohlgefällige Gabe werden.
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Gebet Papst Clemens XI.
" Ich weihe Dir meine Gedanken, daß ich nur an Dich denke; meine Worte, daß ich nur von Dir spreche; meine Handlungen, daß ich sie nach Dir richte; meine Leiden, daß ich sie Dir zulieb trage. Ich will, was Du willst, soviel Du willst.
Ich bitte, erleuchte meinen Verstand, feuere an meinen Willen, mache rein meinen Leib und heilig meine Seele."
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