Vorbereitung auf Ostern


Das Aschenkreuz

Der Aschermittwoch eröffnete in der frühen Kirche die öffentliche Kirchenbuße. An manchen Orten finden wir eine dramatische Ausgestaltung der Entlassung in den Büßerstand als Erinnerung an die Vertreibung der Stammeltern aus dem Paradies. Die Büßer legten ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Als im 10. Jahrhundert die öffentliche Kirchenbuße abkam, wurde durch die Synode von Benevent 1050 die Aschenauflegung als Symbol für alle Gläubigen eingeführt. Das Aschenkreuz soll die Gläubigen an Tod und Vergänglichkeit erinnern. Bei der Auflegung spricht der Priester: "Bedenk, o Mensch, Staub bist du und kehrst zurück zum Staube" (Gen 3,19). Seit dem 12. Jahrhundert wird die Asche für die Zeremonie des Aschermittwochs aus den getrockneten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen. Bei der Segnung spricht der Priester unter anderen folgendes Gebet: "Segne huldvoll diese Asche, die wir zum Zeichen unserer Armseligkeit und um Verzeihung zu erwirken auf unsere Häupter streuen lassen; da wir Staub sind und zur Strafe zu Staub zurückkehren werden, laß uns durch Dein Erbarmen den Nachlaß aller Sünden erlangen und der Lohn, der den Büßenden verheißen ist" (Missale Romanum).

In vielen Kulturen gilt Asche als Zeichen der Trauer, des Schmerzes und der Reue. Die Hoffnung der Juden galt einer durch Feuer gereinigten Erde. Aus Asche sollten der neue Himmel und die neue Erde entstehen.

Verkündigung der Kirchengebote

Zu Beginn der Fastenzeit sollen den Gläubigen die Grundvollzüge österlicher Bußvorbereitung an Herz gelegt werden, nämlich Gebet, Fasten und Verzicht sowie Almosen und Werke der Nächstenliebe. Dabei soll auch an den Inhalt der fünf Kirchengebote erinnert werden nämlich: 1. An die Pflicht, an Sonn- und Feiertagen die heilige Messe mitzufeiern 2. An die Pflicht, die gebotenen Fast- und Abstinenztage zu halten, also am Aschermittwoch und am Karfreitag nur eine volle Mahlzeit zu sich zu nehmen und auf Fleischspeisen zu verzichten 3. Die gebotenen Feiertage zu halten. 4. Häufig, jedoch wenigstens einmal im Jahr die heilige Kommunion zu empfangen und 5. Regelmäßig zu beichten, jedoch wiederum wenigstens einmal im Jahr.

Die Osterbeichte

Die Beichte steht mit der österlichen Bußzeit in einer besonderen Verbindung, ist sie doch das Sakrament der Erneuerung und Umkehr, das uns der Heiland geschenkt hat. "Im Sakrament der Buße reinigt uns der gekreuzigte und auferstandene Herr mit seiner unendlichen Barmherzigkeit" (Papst Benedikt XVI.).

Nur zu oft werden solche Hinweise - aus Menschenfurcht oder Anpassung - unterlassen, obwohl sie unbedingt erforderlich sind, wenn Erneuerung wirklich gelingen soll, und die Bußzeiten ihren Sinn behalten sollen. Wir Menschen neigen, von den Sinnen geleitet, welche uns die Welt erschließen, dazu, uns dem Vordergründigen, Greifbaren zuzuwenden und müssen immer wieder umkehren zu Gott und uns wieder mehr um die Christusnachfolge kümmern. Diese Umkehr ist eine ständige Aufgabe des Christen und eine besondere Aufgabe in den Bußzeiten, in denen uns die Kirche zur Umkehr anleitet.

Fastenpredigten

Mit der vierzigtägigen Bußzeit entstand auch die Fastenpredigt. Nachmittägliche Predigtgottesdienste in der Fastenzeit sind für Jerusalem, für Antiochien und Konstantinopel sowie für Ravenna bezeugt. Im Abendland wurde die Predigt in den Klöstern vermutlich mit der Schriftlesung und dem geistlichen Gespräch am Abend verbunden und dann von den Universitäten dann als Buß- und Leidenspredigt in der Volksseelsorge verbreitet. Die Fastenpredigt wurde ursprünglich am Freitagabend, später auch am Sonntag gehalten. Die Kirche wünscht vor allem während der Fastenzeit eine intensive Predigttätigkeit. Die Themen wechselten. Teils wurden die Schriftlesungen des Tages zugrunde gelegt, teils Inhalte des Glaubens und der Sittenlehre.

Ölbergandachten

In der Nacht zum Karfreitag wurde in Jerusalem schon im 4. Jahrhundert der Todesangst Jesu Christi auf dem Ölberg gedacht. Die mittelalterliche Passionsmystik förderte die Betrachtung des Ölbergleidens. Bis heute ist die Ölbergandacht am Donnerstag der Fastenzeit oder Passionszeit in vielen Gegenden üblich. In früheren Zeiten wurden in oder bei den Kirchen Ölbergbilder oder Ölbergplastiken errichtet. Sie zeigten gewöhnlich den betenden Christus mit dem Engel, der dem Heiland Trost spendet und die schlafenden Jünger.

Kreuzwege und Kreuzwegandacht

Beim Kreuzweg begleitet man Jesus betend auf seinem Leidensweg von der Verurteilung durch Pilatus bis zu seinem Tod auf Golgotha und der Grablegung. Die heute üblichen 14 Stationen (Statio = Stillstand, Einhalt zur Betrachtung) sind von den Berichten der vier Evangelien und der Tradition bestimmt.

In Jerusalem wurden schon bald einige Stellen des Kreuzweges Jesu mit Steinen oder Kapellen für die Pilger kenntlich gemacht. Bei den durch die Leidensmystik geförderten Nachbildungen des Kreuzweges im Abendland wurde der Leidensweg ursprünglich nur durch den Anfang (Burg Antonia), den Endpunkt (Kalvarienberg) und die wahre Länge des Weges vom Gerichtshaus bis zum Kalvarienberg bestimmt.

Zunächst entwickelte sich ein Kreuzweg mit sieben Leidensstationen. Das Kreuzwegbüchlein des Priesters Bethlem (1471) und eine genauere Kenntnis Jerusalems wurden schließlich für die Festlegung auf 12 und später auf 14 Stationen bedeutsam. Der Kreuzweg mit 14 Stationen wurde 1742 von der Ablaßkongregation anerkannt. Wer den Kreuzweg mit 14 Stationen geht, kann seitdem einen vollkommenen Ablaß gewinnen.

Im Freien sind Kreuzwege meist so angelegt, daß man den Leidensweg Jesu nachgehen kann. Vor allem am Land finden wir manchmal Bildstöcke, die uns die Leidensstationen des Herrn vor Augen führen. Im Kircheninneren werden Kreuzwegbilder erst seit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert angebracht, wobei Tafelbilder oder Wandmalerei für die Kreuzwegstationen bevorzugt werden.

Die Passionszeit

Als Passionssonntag wurde in Rom ursprünglich nur der Palmsonntag bezeichnet, da an ihm als Evangelium die Leidensgeschichte nach Matthäus verlesen wird. Seit dem 6. Jahrhundert sind dem vorausgehenden 5. Fastensonntag Texte zugeordnet, die auf die Passion Christi verweisen. Als Einzugslied dienen die Worte aus dem Psalm 42 "Schaff mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk" (Ps 42,1) und als Lesung aus dem Hebräerbrief, einen Text, der Jesus als Schmerzensmann darstellt. Daher trägt der 5. Fastensonntag auch den Namen Passionssonntag. Mit ihm beginnt ein eigener Abschnitt der vierzigtägigen Fastenzeit. Besondere Kennzeichen der Passionszeit in der Liturgie sind der Wegfall des "Gloria Patri" und des ganzen Psalms "Judica" im Stufengebet. Ebenso wird bei der Meßfeier in dieser Zeit die Präfation vom heiligen Kreuz verwendet.

Verhüllung der Kreuze

Bischof Durandus von Mende in Südfrankreich ordnete im 13. Jahr-hundert die Verhüllung der Kreuze am Passionssonntag an, um daran zu erinnern, daß Christus bei seinem Leiden seine Gottheit verborgen habe, was in der Evangelienperikope des Passionssonntags "Jesus aber verbarg sich" (Joh 8,59) zum Ausdruck kommt.

Die Heiligen Woche

Die Karwoche war schon im Altertum durch einen besonderen Namen ausgezeichnet und hieß "Hohe Woche". Der Name Karwoche kommt von kara, Trauer, Wehklage. In dieser Woche versenken wir uns verstärkt in das Leiden unseres Herrn Jesus Christus.

Palmsonntag

Die Palmprozession und die Feier des Palmsonntags gehen auf Jerusalem zurück, wo man schon bald den Leidensweg Jesu in eigenen Riten und Bräuchen nachbildete. In Jerusalem wurden Palm- und Ölzweige zur Prozession verwendet, bei uns sind es Buchsbaum oder Weiden-kätzchen. Zu Beginn der Prozession werden die Zweige vom Priester gesegnet. Den gesegneten Zweigen wird heilende und helfende Kraft zugeschrieben, sie werden in der Wohnung, im Stall und auf den Feldern aufbewahrt. In Palästina galten früher Palmzweige als Friedens- und Königssymbole, die als Triumphzeichen für Christus übernommen wurden.

Gründonnerstag

Der Name Gründonnerstag kommt nach der heute üblichen Erklärung von greinen, d.h. weinen. Es muß auf den Umstand bezogen werden, daß früher an diesem Tag die Büßer (auch "Weinende" genannt) wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden.

Am Abend des Gründonnerstags wird der Einsetzung der heiligen Eucharistie gedacht. Eine Besonderheit dieser Messe besteht darin, daß zum Gloria Glocken und Altarschellen läuten und dann bis zur Osternacht schweigen.

Karfreitag

Als Todestag Jesu ist er zusammen mit dem Tag der Grabesruhe von jeher ein Tag der Trauer und des mitleidenden Fastens, auch Trauerfasten genannt. Man hat die Worte Jesu über die Zeit, in der die Jünger fasten, weil ihnen der Bräutigam entrissen ist (Mt 9,19), auf diese Tage des Todes und der Grabesruhe Jesu bezogen. So ist es verständlich, daß die Kirche den Karfreitag als Fast- und Abstinenztag auszeichnet.

In Jerusalem zeigt sich das Bestreben Leiden und Tod des Herrn orts- und zeitgerecht nachzugestalten, etwa in der Kreuzverehrung auf dem Golgotha oder durch die Lesung der Passionsberichte. Diese gottesdienstlichen Formen zu Jerusalem haben auch den Westen stark beeinflußt. So zog im 7. Jahrhundert der Papst barfuß mit der Kreuzreliquie in einer Prozession von der Lateranbasilika zu der von Kaiserin Helena errichteten Kirche "Vom heiligen Kreuz zu Jerusalem", wo die Kreuzreliquie von Klerus und Volk verehrt wurde. Bis heute ist es an manchen Orten üblich das Kreuz barfuß zu verehren. Bei diesem Gottesdienst wurden zudem zwei alttestamentliche Lesungen und der Passionsbericht nach Johannes vorgetragen wurde.

Zartsinn und Einfühlungsvermögen zeigt der Brauch am Karfreitag Hammer und Nägel nicht zu benutzen, weil Jesus am Karfreitag ans Kreuz genagelt worden ist, und die Erde nicht umzupflügen, um die Grabesruhe nicht zu stören. An diesem Tag schweigen die Glocken, an ihrer Stelle erklingen Klappern und Ratschen, bei welchen Hämmer aus Holz auf ein Brett schlagen und so an die Annagelung Christi erinnern.

Karsamstag - Tag der Grabesruhe

Am Karsamstag verweilt die Kirche am Grab des Herrn und betrachtet sein Leiden und seinen Tod. Das Meßopfer wird nicht gefeiert, der Altar bleibt unbedeckt. Am Anfang stellte das Heilige Grab eine Höhle am Altar dar, in welche Kreuz und Hostien gelegt wurden. Später wurde als Grab eine aus Holz gefertigte nischenartige Wölbung aufgestellt. In der Grabnische ruhte der Leichnam Christi, mit Blumen geschmückt und von Wächtern umgeben. Über dem Grab erhob sich der Kalvarienberg mit dem Kreuz Christi. Zur Anbetung wurde die verschleierte Monstranz auf dem Berg über dem Grab aufgestellt. Bei der Auferstehungsfeier am Karsamstagabend, verschwand Christus im Grab und erschien als Auferstandener auf dem Berg über dem Grab. Mit dem heiligen Grab entwickelte sich das vierzigstündige Gebet. Als Erinnerung daran, daß Jesus vierzig Stunden im Grabe ruhte, betete man 40 Stunden hindurch am Heiligen Grab vor dem Allerheiligsten.

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Literatur:

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