"Wie der Sonntag, so der Sterbetag"...:


… lautet ein altes Sprichwort, das die herausragende Stellung des Sonntags im christlichen Leben zum Ausdruck bringt.

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Der Sonntag ist tatsächlich die "Achillesferse" der christlichen Religion. Wenn der Tag des Herrn heilig gehalten und Gott die ihm gebührende Ehre und Anbetung erwiesen wird, besonders an dem vom Herrn dafür bestimmten Tag, dann ist damit das Fundament für ein gutes, von Gott gesegnetes christliches Leben und Sterben ge-legt. Doch nicht nur für den einzelnen hat die Heilighaltung des Sonntags Bedeutung - die Wohlfahrt ganzer Völker ist zugrunde gegangen, wenn man Gott nicht mehr das gegeben hat, was ihm gehört. Und so gilt es sich wieder von neuem bewußt zu werden, welche Bedeutung der Sonntag in unserem Leben haben muß:

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1. "Gedenke, daß du den Sabbat heiligst!"

Das erste Buch der Hl. Schrift, die Genesis, schildert uns bildlich das Werk der Schöpfung in sechs Tagen. Am siebten Tag ruht der Herr, nach dem Er, Sein Werk vollendend, den Menschen geschaffen hat: "So wurden vollendet der Himmel und die Erde und all ihr Heer. Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er vollbracht hatte, und ruhte am siebten Tag und heiligte ihn. Denn an ihm hat er von all seinem Werk geruht, daß Gott wirkend schuf." (Gen 2,1 ff)

Indem der Mensch Abbild und Ebenbild Gottes ist, hat er in ganz besonderer Weise an der Schöpfung des Allmächtigen Gottes Anteil.

Doch der Mensch ist nicht nur berufen, Krone der sichtbaren Schöpfung und somit Mitarbeiter Gottes zu sein (vgl. Gen 1,28), sondern durch seine bevorzugte Stellung auch teilzuhaben an der Ruhe des Schöpfers. Und so setzt der Herr den Sabbat zum Tag der Ruhe ein, indem er Moses am Berg Sinai im Dritten Gebot anvertraut: "Gedenke des Sabbattages, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage lang sollst du arbeiten und all deine Geschäfte verrichten. Doch der siebte Tag ist ein Ruhetag des Herrn, deinem Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun […]. Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel, die Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, erschaffen; doch am siebten Tag ruhte er. Darum segnete der Herr den Sabbat und erklärte ihn für heilig." (Ex 20,8f).

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2. Die Erlösung als Vollendung der Schöpfung

Die gesamte Schöpfung findet ihren krönenden Abschluß mit dem Kommen des Erlösers: "Denn in ihm wurde alles erschaffen, was im Himmel ist und auf Erden[…]: alles ist durch ihn und auf ihn hingeschaffen. Er ist vor allem, und alles hat in ihm Bestand." (Kol 1,16f)

Der Sabbat stellt die Ruhe nach der vollendeten Schöpfung dar. Die Schöpfung ist aber nicht das letzte Ziel der Vorsehung sondern hingeordnet auf das Kommen des Erlösers, der uns durch Seinen Tod und Seine Auferstehung, die Bedingung dafür ist, daß der Mensch in die ewige (Sabbat-)ruhe des Himmels eingehen kann.

Der Übergang vom Sabbat zum Sonntag wird so verständlich: Der Sabbat ist die Ruhe Gottes nach der Schöpfung, und der Mensch hat als sein Ebenbild daran Anteil.

Der Sonntag, der erste Tag nach dem Sabbat ist der Tag der vollendeten Schöpfung, die in der Auferstehung unseres Herrn besteht. Daß der Herr am ersten Tag nach dem Sabbat auferstanden ist, zeigt deutlich, daß die Erlösung die Schöpfung vollendet. So können wir vom Sonntag als dem achten Tag der Schöpfung sprechen: steht die Zahl sieben in der biblischen Sprache für die Vollkommenheit, so erkennen wir in der Zahl acht die Überfülle, welche die Vollkommenheit übertrifft (7+1). Was nützte uns die Schöpfung, wenn uns nicht die Erlösung zuteil geworden wäre? "Ja, nimmer käme uns das Heil durch unsere Geburt, wäre uns das Heil nicht gekommen durch die Erlösung." (Exultet der Osternacht).

Deshalb feiern die Christen nicht den Sabbat sondern den Sonntag, den Tag der Auferstehung Christi und damit den Tag der Verheißung für ewig an der Ruhe Gottes teilhaben zu dürfen.

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3. Der Sonntag - das wöchentliche Ostern

Wenn bereits das Volk Israel den Sabbat aufgrund der Schöpferruhe heilig zu halten hatte, so sind die Christen um so mehr dazu verpflichtet, da es der Tag ist, an dem alle, die zu Christus gehören, und dem Erlöser folgen, aus den Banden des Teufels und des Todes befreit worden sind. Deshalb gilt von den Erlösten das Gebot des Alten Bundes, den Tag es Herrn zuheiligen, in vollendetem Maße.

Vom Ereignis der Auferstehung Christi ist das gesamte Schicksal des Menschen abhängig - wäre Christus nicht auferstanden, wären wir dem ewigen Tod ausgeliefert. Deshalb ist der Sonntag unüberbietbar heilig, weil er durch das Ereignis der Auferstehung geheiligt worden ist. Bereits die Israeliten haben den Sabbat genutzt um sich dem Schöpfer zu erinnern und ihm für seine Wohltaten zu danken, insbesondere der Befreiung des Volkes aus Ägypten. Denn das auserwählte Volk wußte, daß es sich die Großtaten Gottes beständig vor Augen halten muß, um nicht abzu-fallen.

Die Christen müssen daher um so inniger der Wohltaten Gottes, die Befreiung von Sünden und dem ewigen Tod, ständig vor Augen hal-ten. Für Christen ist dieses Danken aber nicht ein bloßes Erinnern an die Erlösung.

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4. Die Sonntagsmesse ist Teilnahme an der Erlösung

In jeder hl. Messe erneuert Christus sein Erlösungswerk, die Geheimnisse von Leiden, Sterben, Auferstehen werden gegenwärtig, auf daß jedem einzelnen die Früchte der Erlösung zugeführt werden können. Da wir also die hl. Messe zu unserem ewigen Heil bedürfen, ist es nicht verwunderlich, daß die hl. Kirche alle Christgläubigen ab dem siebten Lebensjahr unter schwerer Sünde verpflichtet, an einer Sonntagsmesse teilzunehmen - dies gilt auch für die hohen Feste, die vom Staat geschützt werden - wenn nicht schwerwiegende Gründe wie Krankheit, räumliche Unerreichbarkeit, Berufspflichten (z. B. Krankenschwester, Arzt), die dem Besuch der Sonntagsmesse entgegenstehen, davon entschuldigen. Das Ansehen einer hl. Messe am Fernseher entbindet nicht von der Pflicht, die Sonntagsmesse zu besuchen.

Wenn wir uns der unendlichen Gnade bewußt werden, die uns am Sonntag der Auferstehung Christi geschenkt worden ist und auch uns durch die Feier der hl. Messe teilhaftig wird, dann werden wir den Ernst verstehen, mit der die früheren Generationen diese Pflicht wahrgenommen haben, und lieber in die den Tod gegangen sind, als der hl. Messe entbehren zu müssen: Als im Jahr 304 unter Diokletian eine grausame Christenverfolgung ausbricht und Christen trotz Verbotes in die hl. Messe gehen, werden sie vom Richter gefragt, warum sie sich über das Gebot hinweggesetzt haben. "Sine dominico non possumus - ohne hl. Messe können wir nicht leben" lautet die Antwort. (Akten der Märtyrer von Abitene)

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5. Die Heiligung des Sonntags

Von der Sonntagsmesse ausgehend, wird der Christ den Sonntag heiligen, indem er sich von unnötiger körperlicher Arbeit fernhält, und bei anderen nicht unnötige körperliche Arbeit fördert, wie z.B. durch das Aufsuchen von Kaufhäusern. Vielmehr soll sich der Christ bemühen, den Herrentag als Zeit der Gnade zu vermehrtem Gebet (besonders im Kreis der Familie), geistlicher Lesung und tätiger Nächstenliebe (z. B. Krankenbesuche) zu nutzen. Wer den Sonntag so heiligt, ruft den Segen Gottes auf sich und seine Umgebung herab, empfängt viele Gnaden um das Leben zu meistern und gut vorbereitet heimzugehen, wenn Gott ihn in seine ewige Ruhe ruft.

Sechs Tage hat der Mensch zum Schaffen, am siebten Tag soll er Anteil haben an der Ruhe Gottes und Ihn anbeten, als denjenigen, der das Leben und Arbeiten erst möglich macht und der uns das ewige Leben schenken will.


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