Zum Rosenkranzmonat Oktober


Viele Menschen unserer Zeit halten das Rosenkranzgebet für etwas Altmodisches, man sagt gerne, es sei heute nicht mehr in einer Weise möglich zu beten, die die persönliche Begegnung zwischen Gott und der Seele durch die ständige Wiederholung der gleichen Gebete unmöglich mache.

Auch jene Gläubigen, die den Rosenkranz regelmäßig beten, kommen manchmal in Verlegenheit, wenn sie gefragt werden, ob das Rosenkranzgebet für sie eine Quelle fruchtbaren Betens sei.

Was ist die Besonderheit dieses Gebetes, so daß es in der Geschichte der Kirche zu einer der zentralen Frömmigkeitsformen aller Generationen geworden ist?

Zum Ersten ist die Würde des Rosenkranzes ist in der Hoheit der einzelnen Gebete begründet. An erster Stelle steht das Vater unser. Es ist jenes Gebet, daß der Herr selbst uns zu beten gelehrt hat. An diesem Gebet des Herrn hat sich jedes andere Gebet zu messen und ihm hängt all unser Beten ab. Das Ave Maria enthält jene für uns so bedeutsamen Worte, durch die uns die Erlösung zuteil geworden ist. Das Apostolische Glaubensbekenntnis führt uns die Gesamtheit des rettenden Glaubens vor Augen und läßt uns das Glaubensbekenntnis unserer Taufe erneuern. Das Lobgebet des Ehre sei dem Vater verbindet uns mit den Scharen des Himmels und läßt uns teilnehmen am großen Lobpreis der Quelle allen Lebens, der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Beim jüngsten Teil des Rosenkranzgebetes, dem Gebet von Fatima, das den einzelnen Gesetzchen zwischengeschaltet ist, nehmen wir Teil an der Rettung der ganzen Welt, indem wir durch unser Gebet das ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt.

Im Rosenkranzgebet sind also alle grundlegenden Gebete unseres Glaubens eingeschlossen. Dadurch wird der Rosenkranz für einen jeden katholischen Christen zum Maßstab des rechten Betens. Indem diese Grundgebete, die im Rosenkranz vereinigt sind betet, wird unser geistliches Leben grundlegend auf den Wahrheiten des Glaubens aufgebaut und von ihnen genährt und befruchtet.

Zum Zweiten liegt die Größe des Rosenkranzes in der ausgewogenen Verbindung von mündlichem und betrachtendem Gebet, wie dies auf vollkommene Weise der menschlichen Natur entspricht, die eine geistige und eine leibliche Dimension hat. Indem das mündliche Gebet mit den Lippen geformt wird und der Geist sich in die Betrachtung der Geheimnisse versenkt wird der ganze Mensch angesprochen und hineingenommen in die Geheimnisse der Erlösung.

Nur derjenige kann den Rosenkranz als eine "Leiher" ablehnen, der ihn niemals in diesem Geist entdeckt und gebetet hat, wie die Kirche dies wünscht. Das wahre Rosenkranzgebet bleibt nicht bei der Wiederholung der einzelnen Worte stehen, sondern nutzt die Wiederkehr der gleichen Worte um dabei betrachtend bei den Geheimnissen zu verweilen. Denn wer kann schon bei einem einzigen Ave Maria beispielsweise die Größe des Geheimnisses der Geburt in Bethlehem betrachten? Erst die Wiederkehr des Geheimnisses in den zehn Ave ermöglicht es dem menschlichen Geist, nach Bethlehem zu pilgern und mit den Hirten gemeinsam das Kind in der Krippe zu suchen und darin zu verweilen.

Die einzelnen Worte des Ave Maria sind dabei eine Hilfe, die Geheimnisse der Erlösung mit den Augen der Gottesmutter zu betrachten. Mariens Blick auf die Erlösung ist der vollkommenste, weil Maria selbst in einzigartiger Weise daran Anteil gehabt hat. Deshalb leitet uns die Kirche im Rosenkranz an bei Maria in die Schule gehen, von ihr zu lernen, wie wir Christus in unserem Leben aufnehmen können: "Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen" (Lk 2,19). Der Rosenkranzbeter wird von Maria geführt, Christus immer tiefer zu erkennen und zu lieben, wie auch sie ihren Sohn immer tiefer erkannt hat.

Deshalb können wir zu recht sagen, daß das Rosenkranzgebet ein Christusgebet ist, so wie auch jede wahre Marienfrömmigkeit immer zu Christus hinführt.

Die Größe des Rosenkranzgebetes liegt drittens in glorreichen Wirkung dieses Gebetes: Kein Gebet hat mächtiger die Weltgeschichte beeinflußt und ihr das Antlitz Christi aufgedrückt als das Rosenkranzgebet. Gerade am Beispiel Österreichs zeigt sich, daß der Rosenkranz eine vorzügliche Waffe ist, das christliche Volk vor Gefahren von außen aber auch von innen zu beschützen. So ist die Befreiung Österreichs aus den Händen der Kommunisten dem eifrigen Rosenkranzgebet des Volkes zu verdanken.

Es liegt also an uns, den Rosenkranz wieder neu bzw. vertieft zu entdecken, damit wir durch ihn Christus gleichförmiger werden und so "Salz der Erde" sein können, damit das Antlitz Europas wieder ein christliches werde.

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