1. Der Erlöser ist Priester Im Alten Testament wird der kommende Erlöser als König, Prophet und Priester verheißen. Indem der Erlöser alle drei für die Existenz Israels bedeutenden Ämter vereinigt, wird deutlich, daß mit ihm die "Fülle der Zeit" (Gal 4,4) gekommen ist und die Erlösung nahe ist. Schon immer hat das Volk Israel den Psalm 109 auf den Messias gedeutet. Dort heißt es vom Erlöser: "Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech." (Ps 109,4) |
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Etwas Dunkel erschien dem Volk Israel der Absatz "nach Ordnung des Melchisedech", denn der Priesterkönig Melchisedech war selbst nicht aus dem Volke Israel, sondern stand mit diesem nur in Verbindung, insofern er den siegreich aus dem Krieg heimkehrenden Abraham segnete und von ihm den Zehnten entgegennahm (Gn 14,17 ff).
Dieses Verhalten deutet an, daß auch der Stammvater Israels, Abraham, sich diesem König unterordnete (vgl. Hebr 7), von dem es in der Genesis heißt, daß er Brot und Wein opferte und Priester des Höchsten Gottes sei.
Indem nun der Messias des auserwählten Volkes mit Melchisedech verknüpft wird, ist angedeutet, daß auch der Retter in derselben Weise wie Melchisedech Brot und Wein opfern würde.
Diese Verheißung ist tatsächlich mit Christus in der Einsetzung des Altarsakramentes in Erfüllung gegangen, indem Er Brot und Wein opferte und in Seinen Leib und Sein Blut verwandelte.
2. Eigenschaften des Priestertums Christi
a) Vollkommener Mittler
Das Priestertum zeichnet sich dadurch aus, daß es zwischen Gott und den Menschen vermittelt, indem es auf die Menschen den Segen Gottes herabfleht und vor Gott für die Sünden des Volkes eintritt: "Denn jeder Hoherpriester wird als einer, der aus den Menschen genommen, für Menschen bestellt in ihren Anliegen bei Gott, damit er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden, " (Hebr 5,1). Deshalb kann im Vollsinn nur Jesus Christus als Priester bezeichnet werden. Er allein ist vollkommener Mittler zwischen Gott und den Menschen, weil Er allein den Menschen mit Gott durch Sein Blut vollkommen versöhnt hat. Er allein hat den Segen Seines himmlischen Vaters auf die Menschen herabgerufen. Im Hebräerbrief schreibt der hl. Paulus ausführlich über die Unterscheide zwischen dem alttestamentlichen, vorbereitenden Priestertum und dem endgültigen Priestertum Christi: "Denn es geziemte sich, daß wir einen solchen Hohenpriester haben, der heilig ist, schuldlos, unbefleckt, gesondert von den Sündern, und höher geworden als die Himmel, der nicht nötig hat, täglich, wie die Hohenpriester, zuerst für seine eigenen Sünden Opfer darzubringen, sodann für die des Volkes; denn dies hat er ein für allemal getan, indem er sich selbst darbrachte." (Hebr 7,26f)
b) Das Priestertum Christi ist ewig
Neben der Eigenschaft, daß das Priestertum Christi aufgrund seiner vollkommenen Mittlerschaft endgültig ist, besitzt es als weitere Eigenschaft die Unvergänglichkeit, so wie es im Psalm 109 vom Messias beschrieben wird: "Du bist Priester auf ewig."
Denn das alttestamentliche Priestertum war (wie der gesamte Alte Bund) nur ein Schatten des künftigen: "Denn wenn jener erste Bund untadelig gewesen wäre, so würde ja für einen zweiten kein Platz gesucht." (Hebr 8,7)
Die Unvollkommenheit des alttestamentlichen Priestertums kommt auch in seiner zeitlichen Begrenztheit zum Ausdruck: "Und jene sind in Mehrzahl Priester darum geworden, weil sie durch den Tod verhindert wurden, zu bleiben; dieser aber hat dadurch, daß er ewig bleibt, ein Priestertum, das unvergänglich ist. Deshalb kann er auch für alle Zeit diejenigen erretten, welche durch ihn Gott nahen, da er immerdar lebt, um für uns fürbittend einzutreten." (Hebr 7,23 f)
3. Die Teilhabe am Priestertum Christi
Wenn nun das Priestertum Christi das vollkommene, ewige Priestertum darstellt weil der Mensch alleine durch dieses Priestertum mit Gott versöhnt werden kann, und er auch der einzige Mittler ist, wie es im ersten Brief an Timotheus heißt, "Denn einer ist Gott, einer auch ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus, welcher sich selbst als Lösegeld hingegeben hat für alle" (1 Tim 2,5), so stellt sich die Frage nach dem Sinn des Sakramentes der Priesterweihe, das Christus selbst am Gründonnerstag im Abendmahlsaal eingesetzt hat, indem er die Apostel zu Priestern weihte.
Das Sakrament der Weihe stellt nicht ein weiteres Priestertum neben dem Priestertum Christi dar, sondern ist Teilhabe an dem einen Priestertum Christi.
Wie das Meßopfer nicht ein zweites, weiteres Opfer neben dem Kreuzesopfer ist, sondern die unblutige Vergegenwärtigung dieses einen Opfers Christi, so handelt es sich bei den Priestern des Neuen Bundes auch nicht um weitere Priester neben dem Hohenpriester Christus. Vielmehr gibt Christus durch das Sakrament der Priesterweihe denen, die Er dazu berufen hat, Anteil an Seinem einzigen und ewigen Priestertum.
Der Hohepriester Jesus Christus hat diese Anteilnahme an Seinem Priestertum in die göttliche Heilsordnung eingefügt, "damit das Werk der Erlösung der Menschheit, das Er am Kreuze vollendet hat, bis zum Ende der Zeiten fortgesetzt werde." (Pius XII., Apostolische Ermahnung Menti Nostrae)
Dazu "hat er Seine Gewalt der Kirche übertragen, die Er zur Teilhaberin seines einzigen, ewigen Priestertums machen wollte. Der Priester ist ein anderer Christus, denn er ist mit einem unauslöschlichen Merkmal gekennzeichnet, das ihn gleichsam zum lebendigen Abbild unseres Erlösers macht; der Priester stellt Christus dar, der gesagt hat: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch (Joh 20,21); Wer euch hört, der hört mich (Lk 10,16)." (Pius XII. ebd.)
Die Teilhabe der Apostel an der Sendung Christi zeigt deutlich, daß sie am Priestertum Christi teilhaben, da Christus als Mittler (und somit als Priester) vom Vater gesandt worden ist. Christus kann also nicht von seinen Priestern getrennt werden, da es sich um ein und dasselbe Geheimnis handelt. Der hl. Pfarrer von Ars hat die innige Verbindung zwischen Christus und dem Priester erkannt, wenn er bemerkt:
"Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe. Ohne den Priester würden der Tod und das Leiden unseres Herrn zu nichts nützen. Der Priester ist es, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt. Was nützte uns ein Haus voller Gold, wenn es niemanden gäbe, der uns die Tür dazu öffnet?"
4. Die Würde des Priestertums
Zu den tiefsten Aussagen, die jemals über die Würde des Priestertums gemacht worden sind, gehört die folgende des Pfarrers von Ars, die ebenfalls Papst Benedikt am Anfang des Priesterjahres allen Gläubigen zu bedenken gegeben hat: "Nach Gott ist der Priester alles. Ihr könnt nicht an eine einzige Wohltat Gottes denken, ohne daß an ihrer Seite das Bild des Priesters steht. Wenn wir nicht das Sakrament der Priesterweihe hätten, hätten wir unseren Heiland nicht. Wer hat ihn in den Tabernakel getan? Der Priester. Wer hat denn unsere Seele bei ihrem Eintritt in Leben in Empfang genommen? Der Priester. Wer nährt sie denn, um ihr Kraft für ihre Pilgerschaft zu geben? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie ein letztes Mal im Blute Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester."
Die Priester haben durch ihre Gleichgestaltung mit Christus also eine unüberbietbare Würde inne, die hohe Forderungen an ihre Person und ihr Leben stellen. Denn was die Priester kraft der Handauflegung und des Gebetes des Bischofs bei der Priesterweihe sind, müssen sie durch ein heiliges Leben in die Tat umsetzen. So sagt der hl. Laurentius Justinianus: "Groß ist die Würde der Vorsteher, aber größer ihre Verantwortung: zu erhabener Stellung vor den Augen der Menschen erhoben, müssen sie sich auf den Gipfel der Tugend vor dem Auge des Allwissenden stellen; sonst gereicht ihnen ihre Gewalt nicht zum Verdienst, sondern zum Gericht." (De instit. et regimine prael., c. 11)
Es ist nicht verwunderlich, daß der zentralen Stellung des Priestertums im Heilwerk gemäß, ein großes Interesse an der Zerstörung desselben in gewissen Kreisen besteht, welche die Religion angreifen wollen: "Wenn man die Religion zerstören will, greift man zuerst den Priester an. Denn wo es keinen Priester mehr gibt, gibt es kein hl. Opfer mehr, und wo es kein hl. Opfer mehr gibt, stirbt die Religion." (Pfarrer von Ars)
Um so wichtiger ist es, daß alle Gläubigen für ihre Hirten beten, auf daß sie ihrer von Christus verliehenen Würde gemäß wandeln und Ihn um Arbeiter für Seinen Weinberg bitten, damit die Früchte der Erlösung allen Menschen, dem hlst. Willen des Hohenpriesters Jesus Christus gemäß, durch Seine Priester zuteil werden können.
Ebenso ist es wichtig, für die Priester zu beten, dass sie den in ihnen verborgenen Reichtum erkennen, damit sie ihn den Gläubigen mitteilen können: "Gott ist der einzige Reichtum, den die Menschen im Priester finden möchten." (Benedikt XVI.)
Das Konzil von Trient über die Einsetzung des Priestertums des Neuen Bundes (23. Sitzung, 15.7.1563): "Opfer und Priestertum sind nach Gottes Anordnung so verbunden, dass es in jedem Bunde beides gibt. Da also die kath. Kirche im Neuen Testament das heilige Opfer der Eucharistie auf-grund der Einsetzung des Herrn sichtbar empfangen hat, muß man auch bekennen, dass es in ihr ein neues sichtbares und äußeres Priestertum gibt, in welches das alte überführt wurde. Daß dieses aber von demselben Herrn, unserem Erlöser eingesetzt wurde, [ ] zeigt die hl. Schrift und hat die Überlieferung der kath. Kirche immer gelehrt.
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