Der Völkerapostel Paulus:


Am Vigiltag des Festes der Apostelfürsten Petrus und Paulus, dem 28.6.2008, hat Papst Benedikt XVI. anläßlich des 2000. Geburtstag des hl. Paulus ein Paulusjahr ausgerufen, damit die Person und das Wirken des Völkerapostels betrachtet und die Lehre des zweiten Apostelfürsten tiefer erfaßt werde.

Tatsächlich ist der hl. Paulus im Volk oft wenig verehrt, seine Lehre, die Er uns in zahlreichen Briefen hinterlassen hat, die zur hl Schrift gehören, gilt teilweise als schwer verständlich. So ist es höchst angemessen, das Augenmerk des christlichen Volkes verstärkt auf den hl. Paulus zu richten, da er in besonderer Weise von Christus auserwählt worden ist, Sein Apostel zu sein.

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I. Herkunft und Bekehrung

Der hl. Paulus war Jude aus Tarsus, einer Handelsstadt Ziliziens in Kleinasien, in der sich die damals bedeutendsten Kulturen, die jüdische, griechische und römische, begegneten und sich bereicherten. Paulus hat an allen drei Kulturen Anteil, da er das römische Bürger-recht besaß und sich die griechische Bildung aneignete. So hat Paulus in der Erziehung ein umfassendes Wissen der gesamten damals bekannten Welt erworben.

In seiner Heimatstadt erlernt er das Handwerk des Zeltmachers, bevor er als Student der jüdischen Theologie an der Tempelschule zu Jerusalem nach der strengen pharisäischen Richtung ausgebildet wird. In seinem Eifer für das jüdische Gesetz entwickelt er sich zu einem fanatischen Hasser der christlichen Religion: "Früher war ich ein Lästerer, Verfolger und Frevler" (1 Tim 1,13) In der hl. Schrift wird Paulus zum ersten Mal bei der Steinigung des hl. Erzmärtyrers Stephanus erwähnt: "Saulus aber hatte seiner Ermordung zugestimmt" (Apg 8,1).

Als Paulus nach Damaskus reist, um dort Christen gefangen zu nehmen, wird er vor den Stadttoren vom Pferd gestürzt und einer Erscheinung Christi gewürdigt, der ihn frägt: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich. Er aber sprach: Wer bist du Herr? Und jener: Ich bin Jesus, den du verfolgst." (Apg 9,3) Dieser Moment ist der bedeutendste im Leben des hl. Paulus - von diesem Augenblick an ist aus dem Christenverfolger Saulus ein glühender Apostel Paulus geworden, der von nun an sich ereifert, allen Menschen Christus zu verkünden. Von sich selbst kann er daher sagen: "Wo die Sünde sich mehrte, wurde noch größer die Gnade." (Röm 5,20)

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II. Die Gaben des hl. Paulus

Gott überschüttet den Paulus nach seiner Bekehrung überreich mit Gaben, und Christus selbst bezeichnet ihn als ein "Gefäß der Auserwählung" (Apg 9,13). So wird er einer Himmelsvision teilhaftig, in der er nach der Meinung des hl. Thomas von Aquin Gott in seiner Wesenheit sieht, Geheimnisse schaut, die er nicht auszusprechen wagt. (vgl. 2 Kor 12,4)

Da er die Herrlichkeit Gottes selbst geschaut hat, entwickelt er einen großen Eifer für die Mission die ihn bis an die Grenzen der damals bekannten Welt führt, um allen Menschen zu verkünden: "Es gibt nur einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen: den Menschen Christus Jesus, der sich selbst zum Lösegeld für alle hingegeben hat, als Zeugnis zur rechten Zeit. Dafür wurde ich als Künder und Apostel bestellt - ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht, - zum Lehrer der Heiden in Glaube und Wahrheit" (1 Tim 2,5-7).

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III. Die Missionreisen

Paulus bereist ganz Kleinasien, predigt in Athen, verkündet Christus auf zahlreichen Inseln wie z.B. Zypern, und bringt den Mazedoniern das Licht des Glaubens. Der Apostel scheut keine Mühen und läßt sich vor keiner Gefahr zurückschrecken: "Dreimal wurde ich gegeißelt, einmal gesteinigt, dreimal litt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem Meere umher. Auf Reisen war ich gar oft in Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von meinem Volk, in Gefahren von den Heiden, in Gefahren in Städten, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren unter falschen Brüdern, in Mühsal und Beschwerde, in häufigen Nachtwachen, in Hunger und Durst, in vielem Fasten, in Kälte und Blöße. Abgesehen von diesem war der tägliche Andrang zu mir, die Sorge um alle Gemeinden." (2 Kor 11,25-28).

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IV. Leiden und Tod des Apostels

Doch trotz der vielen Gnadenerweise und außergewöhnlichen Gaben, die ihn zum erfolgreichsten Apostel werden lassen (vgl. 1 Kor 15,10), rühmt sich Paulus seiner Schwachheit: "Soll ich mich rühmen, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen." (2 Kor 11,30) Er bekennt, daß seine menschlichen Fähigkeiten eher gering seien. In der Kunst wird er meistens in erhabener, großer Gestalt dargestellt, wortgewaltig und furchtgebietend. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen wie Paulus selbst sie uns in seinen Briefen zu erkennen gibt. Bereits der Name Paulus (vom Griechischen paulos = der Kleine) deutet darauf hin, daß er klein von Gestalt gewesen ist. Seine Gegner werfen ihm vor, "daß seine Briefe zwar wuchtig und kräftig, seine Rede jedoch verächtlich sei" (2 Kor 10,10), und er selbst bekennt gegenüber der Gemeinde zu Korinth: "Ich trat in Schwachheit, Furcht und großer Schüchternheit bei euch auf." (1 Kor 2,3)

Es entspricht der göttlichen Vorsehung, daß diejenigen Menschen, die von der Natur her nicht die größten Fähigkeiten besitzen, von Gott zu Großem berufen werden, damit in der menschlichen Schwachheit die göttliche Kraft erkannt werde: "So will ich mich am liebsten meiner Schwächen rühmen, auf daß sich auf mich niederlasse die Kraft Christi." (2 Kor 12,9)

Paulus leidet auch häufig an Krankheitszuständen. Nachdem er den Korinthern von seinen himmlischen Visionen berichtet hat, bekennt er demütig: "Es wurde mir ein Stachel für mein Fleisch gegeben, ein Satansbote, der mich mit Fäusten schlägt, damit ich mich nicht überhebe. (2 Kor 12,7) Die innige Vereinigung mit Christus, die in seinen Briefen deutlich zum Ausdruck kommt, wird ihm gerade durch seine vielen Leiden geschenkt worden sein, die ihn mit dem Gekreuzigten vereinten: "Mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, außer im Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt worden ist und ich der Welt … Ich trage die Wundmale Jesu an meinem Leibe" (Gal 6,14.17)

Am meisten jedoch hatte der hl. Paulus wohl unter den Verfolgungen der eigenen jüdischen Brüder zu leiden, nach er sich zum Messias des auserwählten Volkes bekehrt hatte. Der Apostel wurde besonders von seinem eigenen Volk verfolgt, mißhandelt und zur Auslieferung an die Römer preisgegeben. Nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt appelliert er an den Kaiser in Rom, indem er von seinem römischen Bürgerrecht Gebrauch macht, so daß er von Cäsarea nach Rom überführt wird. Dort läßt man ihn nach einiger Zeit des Hausarrests frei, so daß der unermüdliche Heidenapostel wieder auf Missionsreise geht, die ihn bis nach Spanien führt. (vgl. Röm 15,24)

Als der Apostelfürst nach Rom zurückkehrt, bricht eine Christenverfolgung aus, die auch von ihm das Leben fordern wird. Zuverlässige Berichte der Überlieferung sagen uns, daß Paulus unter Kaiser Nero im Jahr 67 an der Via Ostia enthauptet worden ist. So ist die Sehnsucht des Apostels, bei Christus sein zu dürfen, in Erfüllung gegangen: "Für mich ist das Leben Christus und das Sterben Gewinn… Ich habe das Verlangen, aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein." (Phil 1,21.23).

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V. Die Lehre des Hl. Paulus

Die Lehre des hl. Paulus ist sehr persönlich geprägt, und so verwundert es nicht, daß in der Mitte seiner Lehre das Kreuz steht: Christus ist der Messias, der sich um unseres Heiles willen als einziger Mittler am Kreuz dahingegeben hat, zum Lösepreis für die sündige Menschheit. (vgl. Röm 5,15) Dieses Heil steht allen Menschen offen, Juden und Heiden, muß jedoch von jedem einzeln vermittels des Glaubens angenommen werden: "Wenn du nämlich mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du zum Heil kommen." (Röm 10,9).

Als Kinder Adams fehlt uns die ursprüngliche Gerechtigkeit, die jedoch Christus für uns wieder erworben hat. (vgl Röm 5,12) Indem wir Anteil an Christus bekommen ist der Mensch von der Sünde Adams und dem mosaischen Gesetz befreit. Der Apostelfürst ist von der Gegenwart des in den Himmel aufgefahrenen Christus überzeugt, indem er das Antlitz Christi in der hl. Kirche erkennt. "Christus ist das Haupt der Kirche" (Eph 5,23); "Alles hat er unter seine Füße gelegt und ihn bestimmt zum Haupt über alles für seine Kirche, die sein Leib ist, die Vollgestalt dessen, der alles in allem erfüllt." (Eph 1,22) Christus ist durch die Sakramente in Seiner Kirche gegenwärtig; so weiß Paulus von der Heilsbedeutung der Taufe (vgl. Röm 6,4), wodurch der Mensch Anteil an der Erlösung gewinnt.

Das Herz der paulinischen Lehre ist die Lehre von der Liebe Gottes, die über allem steht und die ewig sein wird: "Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber das Größte unter ihnen ist die Liebe." (1 Kor 13,13)

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Ablaßordnung zum Paulusjahr

Neben zahlreichen anderen Möglichkeiten, im Paulusjahr Ablässe zu gewinnen, hat der Apostolische Stuhl den Ortskirchen folgende Möglichkeiten gegeben, einen vollkommenen Ablaß zu gewinnen:

  • Andächtige Teilnahme an einem öffentlichen Gottesdienst oder einer Andacht zu Ehren des Hl. Paulus an dem Tag, an dem das Paulusjahr beschlossen wird (29.6.2009): in allen Gotteshäusern

  • für die Erzdiözese Wien: Neben zahlreichen anderen Kirchen kann an allen Sonntagen sowie Hochfesten, Festen und zur Kirchweihe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul ein vollkommener Ablaß gewonnen werden.


Bedingungen: Gewohnte Bedingungen (sakramentale Beichte, eucharistische Kommunion und Gebet nach der Meinung des hl. Vaters; ohne jegliche Anhänglichkeit an die Sünde)

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