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Bereits bei der Darstellung im Tempel verheißt der greise Simeon der Gottesmutter: "Dieser ist gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel, zum Zeichen des Widerspruchs, und auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchbohren, damit sich die Gesinnung vieler Herzen enthülle." (Lk 2,34f) Einige könnten vielleicht meinen, daß Mariens Herz aufgrund der Bewahrung von der Erbsünde von Schmerz und Leid befreit gewesen wäre. Doch ihre Sendung, Mutter des menschgewordenen Gottes, und somit auf das innigste mit dem Erlösungsgeheimnis vereinigt zu werden, verähnlicht sie mit ihrem göttlichen Sohn. Und da es die Sendung des Sohnes ist, durch das Leiden die Menschen von ihren Sünden zu befreien, ist auch Maria zum Leiden berufen. Die Bewahrung vor der Erbsünde schenkte ihr viele Vorzüge, besonders die innere Ordnung aller Seelenkräfte. Doch wurde sie nicht im Paradiesesgarten erschaffen, weshalb sie dem Leid in ihrer Umgebung begegegnete und so zum mitleiden berufen war. |
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Je reiner einer Seele ist, desto empfindlicher ist sie gegenüber jeglichem Unrecht, vor allem der Sünde. Deshalb gibt es kein Herz, das mehr gelitten hätte, als das Herz Mariens, gibt es doch keine Seele, die reiner gewesen wäre als die Seele der allerseligsten Jungfrau Maria. Im Wissen um den Schatz der Gnade in ihrer Seele litt sie unter der Sündenflut, der sie ständig begegnete. Maria wußte um das Geheimnis der Gnade und es erfüllte sie mit Schmerz, daß viele Menschen diese größte Kostbarkeit nicht besitzen und sich der Gnade verweigern und einem lasterhaften Leben hingeben, Gottes heilige Gebote mißachtend. Jede Mutter wird mitfühlen, wenn ihre Kinder geschmäht werden. Und so litt Maria, wenn sie eine Sünde mitansehen mußte, weil dadurch ihr göttlicher Sohn beleidigt wurde.
Das Leid Mariens hat sich im Lauf ihres Lebens ins Unermeßiche gesteigert. Als ihr göttlicher Sohn seine Sendung beginnt, und von der ersten Stunde an Ablehung und Haß erfährt, leidet Maria mit ihrem Sohn. Mehr noch als wenn sie selbst geschmäht würde, trifft sie jede Verweigerung der Menschen ihrem Sohn gegenüber mitten ins Herz, weil sie weiß, daß ihr Sohn der Erlöser der Menschen ist.
Die Auflehnung gegen ihren Sohn, der Verrat des Judas Iskariot, die Verurteilung vor dem Hohen Rat Alles sieht die Mutter Christi von weitem mit an. Ein unermeßliches Meer der Schmerzen eröffnet sich in diesen Stunden und läßt die Verheißung des greisen Simeon in Erfüllung gehen: "Deine eigene Seele wird ein Schwert durchbohren."
Doch gerade das Miteiden Mariens vereinigt ihr Herz in den Passionsstunden mit dem Herzen ihres Sohnes. Auch wenn sie sich nur flüchtig am Kreuzweg begegnen: Christus weiß um die Treue Seiner Mutter und sieht ihre Leiden um seiner willen. Hat dieses treue Mitleiden und Ausharren Mariens die Seele Christi in den dunkelsten Stunden der Erlösung nicht getröstet? Die Heiligsten Herzen Jesu und Mariä waren im Leben durch die Makellosigkeit geeint, in der Stunde von Golgota durch das Leiden.
Diese Vereinigung des Leidens zwischen Mutter und Sohn haben die Schmerzen Mariens verdienstvoll werden lassen. Den Gerechten ist verheißen, daß sie alle Pein, die sie um Christi willen geduldig ertragen, zur Vermehrung ihres himmlischen Lohnes führt. Um wieviel mehr gilt das vom ergebenen Leiden Mariens, da jeder Tugendakt des unbefleckten Herzens einem makellosen Edelstein vergleichbar ist. Durch die Aufopferung ist Maria "Miterlöserin" geworden. Der hl. Papst Pius X. schreibt über die einzigartige Sendung der allerseligsten Jungfrau in den Stunden der Erlösung: "Zum Lobpreis der heiligsten Gottesgebärerin gehört nun nicht bloß, daß sie dem eingeborenen Sohne Gottes, der mit menschlichen Gliedern geboren werden sollte, die Materie ihres Fleisches bot, um aus demselben die Opfergabe zu bereiten für das Heil der Menschen, sondern daß sie auch das Amt übernahm, dieses Opferlamm zu hüten und zu ernähren, ja es zu seiner Zeit zum Opferaltar hinaufzugeleiten. So also bestand zwischen dem Sohn und der Mutter eine ununterbrochene Gemeinschaft im Leben und Leiden, und von beiden gilt das Wort des Propheten: "Mein Leben verging in Schmerz und meine Jahre in Seufzern." (Ps 30,11)
Und zwar war sie keineswegs wie benommen von dem Entzesetzlichen, was sie schauen mußte, sondern sie empfand sogar noch Freude, daß ihr eingeborener für das Heil des Menschengeschlechtes zum Opfer dargebracht wurde; allerdings litt sie so sehr mit, daß sie, wenn dies möglich gewesen wäre alle Marter ihres Sohnes von Herzen gern mitgelitten hätte. Durch diese Teilnahme am Leiden und Willen Christi verdiente Maria, daß sie mit Recht die Wiederherstellerin der verlorenen Menschenwelt wurde und deshalb auch zur Ausspenderin aller Gnadenschätze, die Christus durch seinen Tod und sein Blut erkaufte, berufen wurde." (hl. Papst Pius X., Enzkl. "Ad diem illum laetissimum", 2.2.1904).
Damit will der Papst nicht aussagen, daß dem Opfer Christi etwas ermangele. Vielmehr hat Maria durch ihr vollkommenes Mitopfern und Mitleiden das Vorrecht erhalten, "bei ihrem Sohn nun die mächtige Mittlerin und Versöhnerin der ganzen Welt zu sein." (sel. Pius IX., Bulle Ineffabilis Deus, 8.12.1854)
Die Verehrung Mariens als Mutter der Schmerzen hat auch deshalb eine große Bedeutung für unser Heil, weil sie in der Stunde von Golgotha nicht nur durch ihr Mitopfern zur Mittlerin der Gnaden geworden ist. Ihr göttlicher Sohn hat sie seinen durch das Blut erkauften Kinder selbst zur Mutter gegeben: "Siehe Deine Mutter", sagt er zum hl. Apostel Johannes, der als Vertreter des Teils der Menschheit unter dem Kreuz steht, welcher die Erlösung annimmt.
Auf dem Höhepunkt der Passion erhält Maria von Christus eine neue Aufgabe: Mutter aller Erlösten zu sein. In Schmerzen gebiert sie mit ihrem Sohn unter dem Kreuz die Kinder der Gnade.
Wenn wir Maria als Mutter der Schmerzen ehren, werden wir fähig, mit den Augen der unbefleckten Mutter auf das Leiden Christi zu blicken, damit wir die Größe der Erlösung immer besser verstehen. Wir werden aber auch das Opfer der Mutter verstehen lernen, mit welchem sie für unser Heil gelitten hat: "Ist ein Mensch auf aller Erden, der nicht muß erschüttert werden, wenn er Christi Mutter denkt"
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