Wohin geht der Herr?


Die Himmelfahrt Jesu

Die Himmelfahrt Jesu ist Abschied und endgültige Heimkehr.

Mit der Himmelfahrt nimmt Jesus nach 33 Lebensjahren - dreißig in der Familie, drei als Wanderprediger und vierzig Tage als Auferstandener mit verklärtem Leib - endgültig Abschied von der Welt. Wiederkommen wird Er, wie Er vorhergesagt hat, erst am Ende der Zeiten als Weltenrichter.

Eigentlich ist es selbstverständlich, dass der auferstandene Herr Abschied nehmen muss von der Welt, der Er mit seinem verklärten Leib in Wirklichkeit nicht mehr angehört. Bei seiner Menschwerdung, als Er in die Zeit eingetreten ist, hat der Herr den Glanz der Gottheit verborgen, und sich den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen. Diesen Gesetzen entsprechend nimmt Er auch wieder Abschied von der Welt. So wie der Anfang gehört auch das Ende zu den natürlichen Gegebenheiten im Leben Jesu. Wie Jesus durch ein Wunder, durch die jungfräuliche Empfängnis in die Welt eingetreten ist, so verlässt Er sie wieder durch ein Wunder durch die Auferstehung und die Himmelfahrt.

Der Herr ist zwar zu unserer Erlösung gestorben, aber der endgültige Tod, der die Verwesung mit sich bringt, hatte keine Macht über Ihn. Am dritten Tag nach dem Tod hat ihn der Vater auferweckt, und gleichzeitig ist der Herr mit eigener Kraft als Sohn Gottes von den Toten auferstanden.

So wie der Heiland in der Kraft seiner Gottheit den Tod überwindet, kehrt er auch nach seiner Auferstehung aus eigener Kraft in den Himmel heim. Der Leib des Herrn gehört in den Tagen, da Er sich als Auferstandener seinen Jüngern offenbart, bereits einer anderen Wirklichkeit, nämlich der des Himmels an. Sein Leib ist verklärt und er steht über Raum und Zeit. Der Herr erscheint und verschwindet, geht durch verschlossene Türen und weilt gleichzeitig an verschiedenen Orten. Am vierzigsten Tag entschwebt Er dann endgültig den Blicken der Jünger und kehrt zum Vater heim.

Damit wir Kenntnis von seiner Aufer-stehung erlangen sollen und zum Glauben kommen sollen, erscheint Jesus seinen Jüngern vierzig Tage lang immer wieder. Der Himmelfahrtstag beendet die Zeit seiner Erscheinungen endgültig. Jesus hat alles gesagt und getan, was zur Gründung der Kirche und zur Gewinnung des Glaubens noch notwendig war. Er hat die Apostel im Glauben bestärkt, sieben Sakramente eingesetzt und dem Petrus die Leitung seiner Kirche übertragen. Die Zeit der Offenbarung endet am Himmelfahrtstag und geht in die Zeit der Missionierung und Glaubensverbreitung, in die Zeit der Kirche über. Die Zeit der Kirche wird enden, wenn Jesus wiederkommt - auf den Wolken des Himmels zum Weltgericht. Durch das Heilswirken in Christus haben wir die Zuversicht, dass wir im Tod nicht untergehen, sondern gewandelt werden zu neuem Leben und eine Heimat im Himmel haben.

Wohin geht der Herr?

Der Heiland kehrt dorthin zurück, woher er gekommen ist. Bei der Menschwerdung hat Christus sich ent-äußert und Knechtgestalt angenommen.

Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt verschwindet die Entäußerung wieder. Ebenso wenig wie der Herr bei der Menschwerdung seine Gottheit abgelegt hat, legt er jetzt bei seiner Heimkehr in den Himmel seine Menschennatur ab, sondern die Knechtsgestalt wird nun mit himmlischer Herrlichkeit umkleidet wie sie dem Herrn als Sohn Gottes zusteht. In dieser Herrlichkeit erstrahlt seit der Auferstehung auch seine Knechtsgestalt, sein menschliches Sein.

Die Himmelfahrt Christi bewirkt den endgültigen Einzug einer Menschennatur in den Himmel.

Das Wort "Himmel"

Das Wort "Himmel" hat zwei verschiedene Bedeutungen. Himmel ist einmal die Wirklichkeit über uns, der Sternenhimmel und Weltraum, welcher die Erde umgibt, in welchen die Astronauten vorstoßen und Sonden aussenden, um ihn zu erforschen. Himmel ist dann aber auch die Übernatur, der göttliche Bereich, in welchem Gott, die Engel und die Heiligen in ihrer Glückseligkeit weilen.

Wo ist der Himmel?

Lange Zeit hat man geglaubt, der Himmel als Aufenthaltsort Gottes sei über uns, über dem Firmament. Man hat sich vorgestellt, dass oben am Himmel nicht nur die Himmelskörper kreisen, sondern dass über ihnen sich die Himmel befinden, der Wohnraum Gottes und der Aufenthaltsort der Engel. Dass Menschen bei Gott im Himmel weiterleben nahm man im Alten Testament zunächst nicht an, sondern glaubte, dass die Verstorbenen im Totenreich der Unterwelt in einer Art Höhle weiterleben und ein Schattendasein fristen müssen. Wenn gesagt wird, dass Jesus bei seinem Tod ins Reich des Todes hinab stieg, dann wird für eine Glaubensaussage noch dieses alte Bild vom Totenreich verwendet.

Im Glaubensbekenntnis der Kirche bekennen wir bis heute: "Hinab gestiegen in das Reich des Todes." Als Glaubenslehre besagt dieses Bekenntnis, dass Christus erst durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung den Himmel öffnete für alle Gerechten auch für die Stammväter und die Gerechten, die vor Christus gelebt haben. Sie alle werden erst und nur durch den Kreuzestod Christi erlöst.

Es steht somit fest, dass niemand ohne Christus zum Heil gelangen und in den Himmel kommen kann. Der Herr ist der einzige Weg zum Vater.

Örtlich stellte man sich im alten Bund den Himmel über der Erde vor, und da Jerusalem - nach damaliger Vorstellung im Mittelpunkt der Erde lag, glaubte man, dass genau über Jerusalem - oben im Himmel - der Thron Gottes stehe und sich beim Weltende auf die Erde herabsenke.

Heute passt ein solcher Gedanke, dass der Himmel oben zu suchen ist, wenn man sich den Himmel nicht örtlich oberhalb von uns, sondern, Rangstufen entsprechend als uns übergeordnet vorstellt. Der Himmel muss einer anderen übernatürlichen Wirklichkeit, die über allen innerweltlichen Gesetzen steht, zugeordnet werden.

Der Himmel als eine andere Wirklichkeit ist zwar unsichtbar, er könnte uns aber durchaus völlig umgeben, so wie es in der Apostelgeschichte heißt. "In ihm leben wir, in ihm bewegen wir uns und sind wir" (Apg 17,27). Gott, die Engel und die Heiligen leben in diesem göttlichen Bereich des Geistes und der Liebe. Wenn Christus zum Himmel emporschwebt, so entspricht das beiden Vorstellungen.

Gibt es den Himmel?

Es gibt Menschen, die behaupten, es gäbe nur die greifbare Wirklichkeit. Der Mensch sei nur ein höher entwickeltes Tier, das lebt und beim Sterben aufhört. Das Ziel des Menschseins ist demnach größtmögliches materielles Wohlergehen, sich ausleben und genießen.

Wenn jemand annimmt, dass der Himmel existiert, so entspricht dies nicht nur einem Wunschtraum, sondern dafür gibt es gute Gründe. Der Mensch hat grundsätzlich ein Gespür dafür, dass das Leben mit dem Tod nicht einfach zu Ende ist, sondern es auch ein ewiges Leben nach dem Tod gibt. Dem gläubigen Menschen ist es gegeben in seinem Denken und Empfinden die vergängliche Welt schon jetzt zu überschreiten. Er weiß sich bereits einer geistigen Welt angehörig, die dann bei Gott und im Himmel endgültig zu finden ist:

Der Physiker Albert Einstein geht davon aus, dass es in der vergänglichen Welt geistige, dauernde Gesetze gibt, die auf Gott und auf seine bleibende Wirklichkeit verweisen.

Die Ägypter kommen von der Auseinandersetzung mit dem Tod aus zur Annahme, dass es ein Weiterleben im Jenseits geben muss. Menschliche Geistigkeit und Liebe kann im Tod nicht einfach untergehen.

Heute zeigen Erfahrungen von Sterbenden, die durch medizinische Behandlungen zurückgeholt werden, dass der Tod nicht das Ende darstellen kann. Da nichts in der Natur sinnlos und der Mensch auf eine geistige bleibende Welt ausgerichtet ist, muss man an-nehmen, dass es den Himmel als geistigen Bereich wirklich gibt.

Das Zeugnis Jesu

Da keiner von uns schon im Himmel war, können wir von unserem menschlichen Leben aus nur Vermutungen anstellen und hoffen. Anders bei Jesus. Jesus Christus kommt vom Himmel und bezeugt uns, dass es den Himmel gibt. Er spricht gerne von Bildern vom Himmel, denn dieser ist und bleibt für uns jetzt noch ein Geheimnis. Er nennt den Himmel: "Reich des Vaters" (Mt 26,29). "Neues Jerusalem" (Offb 3,12). "Hochzeitsmahl des Lammes" (Mt 25,10)..

Der Himmel als "Wohnung Gottes" ist ein Ort der Vollendung, des Glücks und der Geborgenheit. Im Himmel wird Gott von den Engeln umgeben, die ihn anbeten und lieben.

"Ewiges Leben" (Mt 18,8). "Freude des Herrn" (Mt 25,21). "Schoß Abrahams" (Lk 16,22). "Was kein Auge geschaut, kein Ohr gehört, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben" (1 Kor 2,9).

Für die Geschöpfe besteht der Himmel vor allem in der liebenden Gemeinschaft mit Gott und untereinander, die Geborgenheit und Glück ohnegleichen beinhaltet. Durch die Erbsünde war der Himmel für den Menschen verschlossen. Erst durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes, durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus auch für gläubige Menschen das Tor des Himmels wieder geöffnet.

Vor der Himmelfahrt sagt der Herr, dass Er in den Himmel auffährt, um uns eine Wohnung beim Vater zu bereiten und dass es deswegen gut ist, dass Er Abschied nimmt. Allerdings sagt Christus auch, dass nichts Unreines zu Gott eingehen kann. Daher ist es nicht nur sinnvoll, immer wieder an den Himmel zu denken, sondern auch das Leben auf den Himmel auszurichten. Unser Leben hier und jetzt kann und muss eine Vorbereitungszeit auf den Himmel sein. Das irdische Leben bietet uns die Möglichkeit uns mit dem Glauben an Christus auseinanderzusetzen und im Herzen zu bewahren.

Der Himmelfahrtstag soll ein Tag der Hoffnung für uns sein, aber auch ein Tag, der uns aufmuntert, uns auf den Weg zu machen.

Der Abschied Jesu

Nur wenn Jesus geht, kann er uns eine Wohnung beim Vater bereiten. Die Himmelfahrt ist die Vollendung des Erlösungswerkes, das mit der Menschwerdung begann und nach Kreuzestod und Auferstehung in der Himmelfahrt erfüllt wird. Nachdem Jesus Heil gewirkt hat, gehört er nicht mehr auf die Erde, sondern in den Himmel. Da Er aber nun nicht bloß als Gott, sondern auch als Mensch zurückkehrt, bringt Er das Menschliche in den Himmel ein und schafft für uns Menschen einen Platz im Himmel. Er bereitet uns dort eine Wohnung, wie er selber gesagt hat.

Der Herr wirkt vom Himmel aus für uns, daher ist es gut, wenn Er geht, denn nur dann kann er uns den Tröster senden, den Beistand, der vom Vater ausgeht und vom Sohn gesandt wird zur Vollendung des Heilswerkes in der Kirche. Es ist der Geist der Liebe, der Heiligkeit und Vollendung. Wir sind also nicht allein, sondern haben einen mächtigen Begleiter, der bewirkt, was wir aus eigener Kraft nicht erreichen können.

Die Zeit der Kirche

Nach der Himmelfahrt beginnt die Zeit der Kirche, in der die Gläubigen unter dem Beistand des Heiligen Geistes ihr ewiges Glück erreichen sollen. Dabei müssen sie folgendes beachten:

  1. Der Glaube muss in der Kirche bewahrt werden und sich im Einzelnen bewähren. Vertrauend sollen die Gläubigen lernen sich immer mehr Gott zu überlassen.
  2. Die Liebe soll sich entfalten als Eigenart der Kirche und der Einzelnen. Wer Christus nachfolgen will, muss die Eigenliebe überwinden und echtes, vergessendes, sich hingebendes Lieben lernen, weil Gott selbst die Liebe ist.
  3. Auf dem Ackerfeld wachsen Weizen und Unkraut miteinander. Erst zur Endzeit wird Gott, der Herr das Unkraut verbrennen - in nie erlöschendem Feuer - und den Weizen einbringen in seine Scheunen.

Literatur:

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