Der Heilige Geist als Lebensspender Bei der Erschaffung der Welt "schwebt Gottes Geist über dem Wasser" (Gen 1,2). "Er erfüllt den Erdkreis" (Weish 1,7), gestaltet im Hauch den Menschen zum Abbild Gottes und kommt bei der Taufe "in der Gestalt einer Taube auf Jesus herab" (Mt 3,16). Indem er über der Schöpfung schwebt, belebt er sie. Auch der Hauch oder der Atem und das Wasser sind Symbole für das Leben und verweisen auf die Lebenskraft des Heiligen Geistes. Er ist der Geist, welcher der Welt das Leben gibt und es erhält. Wenn wir darüber nachdenken, was uns das Symbol der Taube über den Heiligen Geist sagen will, dürfen wir nicht vom Symbolgehalt der Natur ausgehen, sondern müssen in die Heilige Schrift schauen. Bei Noach ist die Taube ein Symbol der Rettung und der Befreiung, ein Zeichen, dass Sünde, Not und Tod ein Ende haben und Gott den Menschen nach der Sintflut wieder gnädig ist. Wenn der Heilige Geist in Gestalt einer Taube erscheint, zeigt sich seine Aufgabe in neuem Licht, er beschenkt die Welt nicht nur mit natürlicher Lebenskraft, sondern belebt sie auch durch die Gnade Gottes, durch göttliches Leben. |
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In der Kirche setzt er das Werk der Versöhnung, das Christus begonnen hat durch die Jahrhunderte fort. Er führt die Menschen zur Bekehrung und beschenkt sie durch die Sakramente mit dem Heil. Wenn Christus am Ostertag "die Apostel anhaucht und ihnen den Heiligen Geist zur Vergebung der Sünden übergibt" (Joh 20,22f.), verweist er dabei auf die lebenspendende Kraft des Gottesgeistes, die von Sünde befreit und heilig macht. Was der Heilige Geist nach außen wirkt, das prägt ihn auch in seiner Eigenart. "Als Urbild fruchtbarer Liebe ist er notwendigerweise die ungeschaffene Empfängnis, Urbild allen Lebens" (Hl. Maximilian Kolbe). Er erstrahlt im göttlichen Leben der Vollkommenheit, im Glanze der Heiligkeit und Sündenlosigkeit.
Sturm und Feuerflammen
Als die Apostel am Pfingsttag im Abend-mahlsaal versammelt waren, erschien der Heilige Geist mit Sturmgewalt und in Feuerflammen, die sich auf die Apostel niederließen. Das Licht mit seinem roten Schein, und das Feuer, mit seiner verzeh-renden Kraft, das alles an sich reißt, sind Symbole für die Liebe, mit welcher der Heilige Geist die Welt zu durchdringen und zu vergöttlichen sucht. Er ist die Liebe, die aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht. Daher werden ihm jene Werke besonders zugeeignet, in denen sich die Liebe zeigt. So wird die Menschwerdung, bei der alle drei Personen beteiligt waren, dem Heiligen Geist besonders zugeeignet, weil sie ein Akt der Liebe war. Der Hebräerbrief ordnet auch den Kreuzestod als Akt der Liebe zu Recht dem Heiligen Geist zu, indem er sagt: "Im Heiligen Geist hat der Sohn sich makellos Gott dargebracht" (Hebr 9,14).
Der Heilige Geist ist die letzte Ursache aller Dinge. Wie am Ziel alles Wollen und im Weiteren Sinn alles zur Ruhe kommt, bringt der Heilige Geist alles zum Abschluß. Er ist die gegenseitige Liebe zwischen Vater und Sohn. Er führt alle Werke, die für das Heil der Menschen bestimmt sind zur Vollendung und zwar auf eine Weise, die Kraft und Milde verbindet. In ihm sind alle Dinge.
Der Heilige Geist und die Kirche
Wenn wir die Wirkung des Heiligen Geistes erschließen wollen, müssen wir auf die Verwandlung schauen, die die Apostel erfahren, als der Heilige Geist auf sie he-rabkommt. Vorher haben sie sich aus Furcht vor den Juden verborgen und waren wortlos. Jetzt bekennen sie mit Freimut die Großtaten Gottes. Die Verheißung Jesu tritt ein, dass "der Heilige Geist die Apostel alles lehrt und sie an alles erinnert, was Jesus gesagt hat" (Joh 14,24). Was sie vorher "noch nicht verstehen und ertragen konnten, die ganze Wahrheit" (Joh 16,12); wird ihnen erschlossen. Sie begreifen nun das Ärgernis des Kreuzes und alles, was Christus getan und gelehrt hat. Zwischen dem Heiligen Geist und Christus besteht also in der Heilsordnung eine innere Verbindung, durch die der Heilige Geist in der Geschichte als ein anderer Beistand wirkt, wenn er die Weitergabe und Ausbreitung der Frohen Botschaft auf Dauer sicherstellt. Der Heilige Geist als Paraklet (Fürsprecher, Helfer) setzt im Geheimnis der Kirche die Gegenwart des Erlösers unaufhörlich fort.
Die Kirche entstand unter dem Kreuz und empfing ihre Kraft aus dem geöffneten Herzen des Erlösers. Für die Welt wird sie am Pfingstfest sichtbar, wenn der Heilige Geist die Kirche belebt und begnadet. Er macht die Apostel zu Kündern der Frohbotschaft, gibt ihnen Mut und Zuversicht und bestärkt sie, das zu bezeugen, was Christus gesagt und getan hat. Mit seiner gnadespendenden Kraft bewahrt er die Offenbarung und bleibt bei seiner Kirche, bis Christus wiederkommt in Herrlichkeit.
Der Heilige Geist und die Welt
Die Heilige Schrift verwendet das Wort Welt auf verschiedene Weise. Welt ist zunächst einmal die von Gott geschaffene Welt, von der die Heilige Schrift bei jedem Schöpfungstag bekennt: "und Gott sah, das es gut war" (Gen 1,4). Die Welt wird durch Christus gerettet. "Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde" (Joh 3,10). Dann ist die Welt in der Heiligen Schrift auch die durch die Erbsünde belastete, gottferne Welt, die in Widerspruch zu Gottes Heilsbotschaft steht, die Welt, von der Jesus sagt: "Wenn die Welt euch haßt, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben, aber weil ihr nicht von der Welt stammt, weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt" (Joh 15,18f.). Es ist eine Welt, der gegenüber die Heilsbotschaft wie "Salz wirkt, das ihr erst den richtigen Ge-schmack gibt" (vgl. Mt 5,13). Der Welt kann man sich nicht anpassen, weil dabei die eigene Würzkraft verlorengeht und dann man zu nichts mehr taugt. Es ist eine Welt, die vom Satan, dem Fürsten dieser Welt, beherrscht wird (vgl. Joh 16,11). Vor allem Paulus und Johannes sprechen von der gottfernen Welt der Sünde.
Der Heilige Geist in der Welt
Kreuzestod und Auferstehung beenden nicht nur die Tätigkeit Jesu in der Welt, sondern stellen gleichzeitig auch den Zeitpunkt dar, an welchem der Heilige Geist als der andere Beistand in die Welt hereintritt, und Jesus sagt deswegen, dass es gut ist, das er Abschied nimmt, weil nur dann der Heilige Geist, der Tröster kommen und seine Aufgabe in der Welt übernehmen kann. Er wird der Welt drei Dinge beweisen, "das es eine Sünde gibt, eine Gerechtigkeit und ein Gericht" (Joh 16,8.).
Die Sünde der Welt
Jesus sagt uns selbst, was er unter Sünde der Welt versteht, "dass sie nicht an mich glauben" (Joh 16,9). Zunächst muss man bei dieser Sünde an die Zurückweisung Christi und den Haß seiner Gegner denken, die zur ungerechten Verurteilung und zum Kreuzestod des Herrn führten. Im Laufe der Jahrhunderte wächst diese Sünde, denn zu dieser Zurückweisung gesellen sich alle Menschen, die die Erlösung durch Christus ablehnen und sich nicht von ihm retten lassen wollen. Zu dieser Sünde des Un-glaubens gehört auch jede andere Form von Sünde dazu. Die Sünde ist in ihrem Wesen nach nämlich ein Akt der Lieblosigkeit, des Misstrauens und der Auflehnung gegen Gott, also ein Akt des Unglaubens. Der Glaube hingegen stellt immer einen Akt des Vertrauens und des Gehorsams Gott gegenüber dar. Auch die Sünde der Stammeltern besteht letzlich darin, dass der Mensch nicht mehr Geschöpf Gottes sein will, dass er seine Unterordnung unter Gott aufgegeben und wie Gott werden will. Eigenmacht und Selbstanbetung bilden das Wesen der Sünde.
Wenn der Heilige Geist der Welt beweisen soll, dass es eine Sünde gibt, darf man bei diesem Auftrag aber nicht vor allem und ausschließlich an eine Verdammung der Welt denken. "So wie durch Jesus die Welt nicht gerichtet, sondern gerettet werden soll" (Joh 3,17), soll auch der Heilige Geist die Welt retten und die Aufgabe Jesu fortsetzen. Er tut das, indem er der Welt die Sünde des Unglaubens nachweist, um sied adurch zu erschüttern und zu bekehren.
Die Apostelgeschichte schildert im zweiten Kapitel, wie der Heilige Geist am Pfingstfest vorgeht, als er den Petrus ergreift und zu seiner ersten Predigt anleitet. Mit seiner Darstellung über den ungerechten Kreuzestod des Messias und dessen Erhöhung bewegt er die Herzen der Menschen, und als sie fragen, was sie tun sollen, fordert er sie zur Bekehrung und Taufe auf. Der Heilige Geist weist der Welt die Sünde zur Bekehrung auf, aber auch die Sünde, die nicht vergeben werden kann, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt. Es ist die "Sünde gegen den Heiligen Geist" (Mt 12,31).
Die Sünde der Lästerung des Heiligen Geistes besteht darin, dass man die Liebe Gottes, die sich in der Menschwerdung und im Kreuzestod Christi kundtut und vom Heiligen Geist vermittelt werden soll, zurückweist, weil man in Selbstgerechtigkeit verharrt und glaubt, keine Erlösung zu brauchen, oder weil man kein Vertrauen und keinen Glauben hat und sich deshalb nicht erlösen lassen will. Der heilige Thomas sagt, dass diese Sünde nicht vergeben wird, weil alle zur Vergebung notwendigen Elemente ausgeschlossen werden. Danach besteht diese Sünde in der Weigerung, das Heil anzunehmen, das Gott den Menschen durch den Heiligen Geist anbietet.
Wenn der Mensch jedes Offenlegen der Sünde, das vom Heiligen Geist ausgeht, ablehnt, weist damit zugleich das Kommen des Trösters zurück. Die Sünde gegen den Heiligen Geist besteht in der Verweigerung der Vergebung, die von ihm im Gewissen bewirkt wird. "Die Nicht-Vergebung hängt ursächlich mit der Unbußfertigkeit zusammen" (Dominum vivificantem).
Der moderne Mensch, der das Sündenbewußtsein verloren hat, findet auch die Bekehrung als überflüssig. Wer so denkt, braucht keinen Erlöser und keinen Heiligen Geist mehr. Er glaubt nicht mehr an den, der für gestorben ist, um uns zu befreien, denn er ist schon frei und zwar frei von Gott.
Die Gerechtigkeit beim Vater
Die Folgend er Erbsünde, die Neigung des Menschen zur Sünde, Leid, Not und Tod bleiben der Welt eingeprägt bis zum Weltgericht. Ebenso wie in unserer Welt vollendetes Glück, letzte Erfüllung und bleibende Liebe geben kann, kann es in unserer Welt eine vollendete und letzte Gerechtigkeit. Wenn Jesus davon spricht, dass der Heilige Geist der Welt beweisen wird, dass es eine Gerechtigkeit gibt, dann denkt er zunächst an das Unrecht, das ihm am Kreuz widerfahren ist, und das bis heute ungesühnt als Anklage gegen unsere Welt dasteht. Weil er aber die Welt verlässt und zum Vater geht, wird ihm Gerechtigkeit widerfahren. Der Vater wird den Sohn mit jener Herrlichkeit umkleiden, die dem Sohn zusteht. An dieser Herrlichkeit, nimmt auch die menschliche Natur des Sohnes teil, die so nach Leiden und Tod gerechtfertigt und erhöht wird.
Der Heilige Geist und das Gericht
Wenn Jesus sagt, dass der Heilige Geist beweisen wird, dass es ein Gericht gibt und dass der Herrscher dieser Welt schon gerichtet ist, so gilt das nur für die übernatürliche Welt. Denn hier in unserer Welt ist der Herrscher dieser Welt durchaus noch mächtig und handlungsfähig, und der Heilige Geist und der Herrscher dieser Welt sind und bleiben Gegner, die um den Menschen und die Macht ringen.
Der Herrscher dieser Welt wirbt für die Anbetung der irdischen Dinge und deren Vergöttlichung. Er freut sich, wenn Menschen ihr Herz an vergänglichen Dingen zuwenden und Mitmenschen nur als lästige Konkurrenz verstehen und hassen. Das Leben solcher Menschen wird dabei sinnlos und leer.
Der Heilige Geist hingegen lässt uns die Welt als Schöpfung erkennen und leitet uns an, sie im Blick auf Gott zu gestalten, weil Gott die Welt menschlicher Verantwortlichkeit übergeben hat. Die Mitmenschen aber sollen wir nach dem Wunsch des Heiligen Geistes lieben, weil sie als Abbilder Gottes geschaffen sind und weil sich seit der Menschwerdung in jedem Menschen Christus widerspiegelt, der gesagt hat: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40). So lässt uns der Heilige Geist im Leben Sinn und Erfüllung erfahren durch verantwortliche Weltgestaltung und Nächstenliebe.
Der Teufel als Herrscher dieser Welt, fordert für den Menschen schrankenlose Freiheit und grenzenlose Selbstbestimmung. Jeder Mensch soll tun und lassen können, was er will - auch auf Kosten des schwächeren Mitmenschen. Wenn der Mensch aber das Maß aller Dinge ist, wird auch Gott verdrängt und gerät in Vergessenheit. Die unbegrenzte Freiheit führt den Menschen in den Abgrund und stellt ihm dem Nichts gegenüber.
Der Heilige Geist hingegen führt zu einer Freiheit, die sich weder vom Gehorsam gegen Gott noch von der Ordnung lösen will, die Gott in die Schöpfung gelegt hat und die sich in den Naturgesetzen zeigt.
Er führt zur Freiheit der Kinder Gottes, die in der Anerkennung der Schöpfung als Werk der Allerheiligsten Dreifaltigkeit be-steht. Denn der Vater hat die Welt in seiner Allmacht geschaffen, der Sohn, der Erstgeborene aller Schöpfung hat sie in seiner Weisheit geordnet und mit Gesetzen ausgestattet, und der Heilige Geist, der Geist der Liebe, führt sie zur Liebe und zur Vollendung.
Der Herrscher dieser Welt liebt es, wenn die Menschen das Leben genießen und im Konsum alles Höhere vergessen, denn so behält er seine Herrschaft in der Welt.
Der Heilige Geist dagegen verweist den Menschen auf Christus und die Kreuzesnachfolge, um ihn durch Selbstaufgabe und Verzicht zum Wachstum der Liebe und schließlich zur Auferstehung geleiten. Wenn wir unsere Gesellschaft und die moderne Welt anschauen und fragen, von welchem Geist sie geprägt ist, erkennen wir unschwer, wer der Herrscher dieser Welt ist.
Wenn der Geist dieser Welt auch in die Kirche hineingetragen werden soll, so wird der Heilige Geist diesem Unterfangen widerstehen; denn Christus und seine Heilsbotschaft sind nicht von dieser Welt.
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Literatur:
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