Die Leiden und Freuden der Armen Seelen im Fegefeuer:


Jeder Mensch erfährt nach dem Tod sogleich das persönliche Gericht. Er tritt vor das Angesicht Gottes, und seine Taten werden im Licht der Wahrheit Gottes geprüft. Jene Menschen, die sich zu Lebzeiten der Liebe Gottes verweigern, indem sie sich von Gott abwenden und den irdischen Gütern hingeben, erfahren den Richterspruch Gottes: "Weichet von mir ihr Verfluchten, in das ewige Feuer." (Mt 25,41) Der Mensch ist aufgrund seiner geistigen Erkenntnis- und Willenskraft fähig, endgültige Entscheidungen zu treffen. Wenn sich der Mensch durch die Todsünde für eine Abkehr von Gott entscheidet, und diese während seines irdischen Lebens nicht durch Reue und Beichte (zu einer volkommenen Reue gehört immer der Vorsatz zur Beichte) widerruft, nimmt Gott diese Entscheidung des Menschen ernst. Der Mensch wiederum muß die Konsequenzen der Abkehr von Gott mit der ewigen Trennung von ihm in der Hölle büßen.

Diejenigen Seelen, die im Stand der heiligmachenden Gnade aus dem Leben scheiden, d.h. mit Christus verbunden sind, aber noch mit läßliche Sünden und zeitlichen Sündenstrafen behaftet sind, werden einerseits von der Liebe Gottes angezogen, weil sie durch den Gnadenstand im Stand der Gottesliebe sind. Anderseits erkennen sie, daß in der Gegenwart Gottes jede noch so kleine Unvollkommenheit in unversöhnlichem Gegensatz zur unendlichen Heiligkeit Gottes steht. Daher kann niemand in der Schau Gottes bleiben, der nicht ganz rein ist. Deshalb ist das Fegefeuer nichts anderes als ein Ort der Barmherzigkeit Gottes, weil es den Seelen die Möglichkeit der Läuterung gibt.

Diese Läuterung des Fegefeuers kann mit den Qualen der Hölle insofern verglichen werden, als die Seele ihr Unrecht vor dem Angesicht Gottes im persönlichen Gericht erkannt hat. Die Pein des Fegefeuers unterscheidet sich jedoch von den Höllenpeinen dadurch, daß es zur Läuterung der Seele dient und die Qualen ein Ende in der Aufnahme der Seele in den Himmel haben werden. Doch neben dem Schmerz, den unendich heiligen Gott beleidigt zu haben, quält die Armen Seelen im Fegefeuer auch das Wissen, daß Gottes Liebe sie eigentlich schon bei sich wissen möchte, daß es aber noch Hindernisse auf Seiten der Seele gibt, die diese Vereinigung mit Gott unmöglich machen.

Die Armen Seelen wissen sich von Gott geliebt, und da sie Ihn im persönlichen Gericht bereits gesehen haben ist Ihr größter Schmerz die Sehnsucht nach Ihm. Deshalb nehmen die Leiden der Armen Seelen im Fegefeuer mit dem Grad ihrer Läuterung nicht ab, sondern werden intensiver: Je näher sie ihrem geliebten und ersehnten Gott kommen, desto mehr leiden sie unter der Trennung. Denn je reiner die Liebe ist, desto größer ist der Schmerz über die Trennung vom Geliebten.

Neben dem Läuterungsfeuer, das von der Sehnsucht entfacht wird, leiden die Seelen im Fegefeuer auch unter der Erkenntnis, daß sie sich auf Erden nicht genug der Gottesliebe und zu sehr dem Geschöpf hingegeben haben.

Das Fegefeuer ist aber auch ein Ort tiefster Zufriedenheit. Die hl. Catharina von Genua berichtet über ihre Schau des Fegefeuers: "Ich glaube nicht, daß es eine Zufriedenheit gibt, die mit jener einer Seele im Fegefeuer verglichen werden kann, außer jener Zufriedenheit, die die Heiligen im Paradies haben." (Traktat über das Fegefeuer, II. Kapitel).

Die Armen Seelen wissen, daß sie gerettet sind und in der Liebe Gottes stehen. Deshalb verbinden sich die Leiden des Fegefeuers mit tiefstem Glück, das im Wissen um die künftige Teilhabe an der Herrlichkeit des Himmels besteht. Die alles bewegende Kraft im Fegefeuer ist die Liebe, weil die Liebe allein den Menschen Gott ähnlich gestaltet. Die Liebe Gottes bewirkt in den Armen Seelen eine Reinigung von allen Folgen der Sünden und vernichtet alle Unvollkommenheit. Sie beschenkt die Seelen mit völliger Gottergebenheit.

Die Seelen im Fegefeuer können sich selbst nicht helfen, da dem Menschen mit dem Tod die Grenze gesetzt ist, sein Heil zu wirken. Umso wichtiger ist es, im Geist der Gemeinschaft der Heiligen, zu der sich jeder Getaufte zählen darf, den Armen Seelen durch Gebete und Opfer, besonders aber durch die hl. Messe zur Hilfe zu kommen. Dies gehört zu den geistigen Werken der Barmherzigkeit, da man anderen im höchsten Maße Gutes tut, wenn man ihnen zur Anschauung Gottes verhilft. Die Armen Seelen wiederum können uns im Ringen um die Treue im Glauben hier auf Erden zur Hilfe kommen, wenn wir sie darum bitten. Unzählige Gebetserhörungen gehen auf die Fürbitte der Armen Seelen zurück, da sie im Feuer der Gottesliebe ihre Sehnsucht nach dem Allmächtigen mit dem Flehen für die Anliegen der streitenden Kirche auf Erden verei-nigen.

Neben der Fürbitte sind die Armen Seelen auch weise Lehrmeister für alle Erdenpilger: Dem Willen Gottes gehorsam zu sein und bereits hier auf Erden ein Leben der Sehn-sucht nach dem Himmel zu führen.

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Ablaßordnung für Allerheiligen und Allerseelen

Vom 1. bis zum 8. November kann täglich einmal ein vollkommener Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden. Neben den üblichen Voraussetzungen (das sind: hl. Beichte, wobei eine zur Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt; entschlossene Abkehr von jeder Sünde; Kommunionempfang und Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters - es ist üblich, daß Kommunion und Gebet nach Meinung des Hl. Vaters am Tag selbst verrichtet werden) sind vonnöten:

Ein Teilablaß für die Verstorbenen wird gewonnen, wenn der Betreffende zwar im Gnadenstand ist, aber nicht alle Bedingungen erfüllt. Ein solcher kann an diesen und auch an den übrigen Tagen des Jahres durch einen Friedhofsbesuch wiederholt gewonnen werden.

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Gebete für die Armen Seelen

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Für die verlassenen Armen Seelen

Jesus, um der Schmerzen willen, die Du bei Deiner Todesangst im Garten Gethsemane, bei der Geißelung und Dornenkrönung, auf dem Weg zum Kalvarienberg, bei Deiner Kreuzigung und Deinem Hinscheiden erduldet hast, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer, besonders jener, die ganz vergessen sind! Erlöse sie aus ihren bitteren Qualen, rufe sie zu Dir und schließe sie im Himmel liebevoll in Deine Arme! Vater unser. . . Gegrüßet ... Herr, gib ihnen...

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Gebet für die verstorbenen Eltern

Gott, Du hast uns geboten, Vater und Mutter zu ehren. Erbarme Dich gnädig der Seelen meines Vaters und meiner Mutter; verzeihe ihnen ihre Sünden und gib, daß ich sie einst wiedersehe in der Freude des ewigen Lichtes! Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

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Gebet für die verstorbenen Priester

Gott, Du hast unter den Nachfolgern der Apostel im Priesteramt Deine Diener, für die wir beten, mit der priesterlichen (oder bischöflichen) Würde geschmückt. Wir bitten Dich, gib, daß sie auch für immer in die Gemeinschaft der Apostel aufgenommen werden. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

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