Vor einiger Zeit ließ in der katholischen Welt die Entscheidung des Papstes aufhorchen, daß er zukünftig die hl. Kommunion in den Mund spenden werde: "Der Heilige Vater hat gebeten, dass alle, die von ihm selbst die Hl. Eucharistie erhalten werden, knien sollen. Außerdem wünscht der Hl. Vater, dass die Eucharistie mit dem Mund empfangen wird. Der Papst ist besorgt, was die Frage der Ehrfurcht betrifft. Der stehende Empfang der Hl. Eucharistie und die Handkommunion können zu mangelnder Ehrfurcht führen", erklärte etwa P. Podesta, der Sprecher des Weltjugendtags in Sydney, gegenüber australischen Medien. Der päpstliche Zeremonienmeister bemerkte gegenüber Radio Vatikan: "Ich kann aber sagen, dass die Entscheidung, in den Papstmessen die Mundkommunion zu verwenden, getroffen wurde, um ein allgemeines Prinzip zu bestätigen. Nämlich dass die Mundkommunion die gewöhnliche Form der Kommunionspendung ist." (kath.net - Meldung vom 28.10.2008). Mit dieser Entscheidung des Papstes eng verbunden ist die Veröffentlichung des Buches "Dominus est - Es ist der Herr - Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien über die heilige Kommunion" von Weihbischof Athanasius Schneider aus Karaganda in Kasachstan. Das Buch erschien 2008 zunächst in italienischer Sprache im Verlag des Vatikan (Liberia Editrice Vaticana) bevor es wenig später in deutscher Sprache im SJM-Verlag herausgegeben wurde. |
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Im Vorwort des Buches spricht der damalige Sekretär der Gottesdienstkongrgation, Erzbischof Ranjith, Weihbischof Schneider "lobenswerten Mut" zu und meint abschließend: "Ich glaube, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, die oben erwähnte Praxis [gemeint ist die Handkommunion; Anm. der Redaktion] genau zu bewerten und falls notwendig diese Praxis aufzugeben, welche in der Tat weder vom Sacrosanctum Concilium [Liturgiekonstitution des II. Vatikanuums] selbst, noch von den Konzilsvätern erwähnt, sondern nach einer mißbräuchlichen Einführung in einigen Ländern angenommen wurde." (S. 12)
In zwei Teilen legt der Autor die außerordentliche Heiligkeit des Altarsakramentes dar und zieht dann Konsequenzen für den Umgang mit dem Allerheilisten Sakrament.
Im ersten Teil des Buches zeigt er die Situation der katholischen Kirche in der Sowejtunion auf. Die verfolgte katholische Minderheit hatte über Jahre und Jahrzehnte der kommunistischen Unterdrückung nicht die Möglichkeit, die Sakramente zu empfangen. Und doch waren diese Menschen von einem tiefen Glauben geprägt, der sich besonders beim Glauben an den in der hl. Kommunion gegenwärtigen Gott mit einer großen Ehrfurcht verband.
Weihbischof Schneider beschreibt die Sehnsucht der verfolgten Katholiken nach der hl. Kommunion, die nur einen Wunsch hatten: vor dem Sterben noch einmal den Herrn zu empfangen, was nur unter sehr widrigen Umständen geschehen konnte, da viele Priester ermordet beziehungsweise in den Konzentrationslagern gefangen gehalten wurden.
Dem Leser des Buches wird anhand dieser Geschichten aus dem kommunistischen Weltreich deutlich, welch großes Geschenk die hl. Kommunion ist, und wie ehrfürchtig der verborgene Gott behandelt werden muß, um der Größe dieses Geheimnisses möglichst gerecht werden zu können.
Im zweiten Teil des Buches weist sich Weihbischof Schneider, der einen Doktor in Patrologie [Lehre von den Kirchenvätern] hat, als Kenner der Schriften der frühen Christenheit aus und zeichnet ein sehr lebendiges Bild vom Umgang der frühen Kirche mit dem Allerheiligsten Sakrament. Die gesamte 2000-jährige Tradition des Kommunionempfangs, faßt der Autor in den Worten "cum amore ac timore - mit Liebe und Ehrfurcht" zusammnen: In der Erkenntnis, daß es der Herr ist, hat man nach den besten Formen gesucht, den Herrn im Sakrament ehrfürchtig zu behandeln. Dieser Eifer, der Heiligkeit und Größe des Geschehens möglichst angemessen zu begegnen, hat spätestens im sechsten Jahrhundert zu der organischen Entwicklung geführt, die hl. Kommunion direkt in den Mund zu empfangen, wie es etwa in der Biographie des hl. Gregor des Großen bezeugt ist (Dominus est S.25, cf Dia-loge III).
Der Studie von Athanasius Schneider gemäß bewegte die frühe Kirche zwei Punkte:
Daß bei der Spendung der hl. Kommunion kein Teil der hl. Hostie zu Boden fallen könnte, weil in jedem Teil der Herr gegenwärtig ist.
Daß die hl. Kommunion von gewöhnlichem Brot unterschieden werden muß, und daß dies Auswirkungen auf die Art und Weise des Empfangs haben muß.
Bereits der Kirchenschriftsteller Tertullian bemerkt im ausgehenden zweiten Jahrhundert: "Wir leiden Angst, daß ja nichts aus dem Kelch oder vom Brot auf den Boden falle." (ebd. S. 37; cf. Catech. Myst. 5,21)
"In der liturgischen Tradition der koptischen Kirche findet sich die folgende Warnung: Es gibt keinen Unterschied zwischen den größeren oder kleineren Teilen der Eucharistie, sogar den allerkleinsten, die man mit scharfer Sicht nicht erkennen kann; diese verdienen die gleiche Verehrung und besitzen die gleiche Würde wie das ganze Brot." (Dominus est S. 38). Deshalb sieht Weihbischof Schneider mit Besorgnis auf die gegenwärtige Praxis der Handkommunion: "Wenn die Kommunion auf die Hand ausgeteilt wird, geschieht es hingegen nicht selten, daß sich Partikel von der Hostie lösen, die zu Boden fallen oder an der Handfläche oder den Fingern der Kommunizerenden haften bleiben." (ebd. S. 62). Der Autor weist nach, daß die heutige Form der Handkommunion der frühen Kirche unbekannt war: Bei den Männern diente die Handfläche gleichsam als Patene, die Frauen legten über die Hand ein weißes Linnen. (ebd. S. 42) und führten das Allerheiligste mit der rechten Hand zum Mund und reinigten anschließend die Hände, da man sich der Gefahr bewußt war, daß sonst kleine Teile verloren gehen könnten.
Neben der Achtsamkeit gegenüber den kleinen Teilen wuchs in der frühen Kirche mit der Vertiefung des Glaubens auch das Bedürfnis, diesen rituell angemessen auszudrücken:
"Niemand esse dieses Fleisch, wenn er es vorher nicht angebetet hat." (ebd. S. 32, cf Augustinus Ennar. In Ps. 98,9). Die äußere Haltung der Anbetung ist seit den ersten Tagen der Christenheit das Knien, so daß der hl. Cyrill von Jerusalem in seinen Mystagogischen Katechesen bemerkt: "Strecke nicht die Hände aus, sondern nähere dich mit einer Geste der Anbetung und Verehrung dem Kelch des Blutes Jesu." (ebd S. 32)
Weibischof Schneider stellt in Anlehnung an Worte des hl. Johannes Chrysostomus fest: "Die Geste eines erwachsenen Menschen, der kniet und seinen Mund öffnet, um sich wie ein kleines Kind nähren zu lassen, entspricht in einer sehr glücklichen Weise der Ermahnungen der Kirchenväter, die man während der hl. Kommunion einnehmen soll, und zwar: "mit Liebe und Ehrfurcht!" (ebd. S. 30).
Neben den Zeugnissen aus der Ostkirche, die durch zahlreiche Riten die Realpräsenz bezeugen analysiert der Autor auch die Gesten der Reformatoren. Die Kalvinisten, die die Gegenwart Christi im Altarsakrament leugneten, führten in Genf die stehende "Handkommunion" ein: "Das Volk stand vor dem Altartisch und empfing die Gestalten mit den eigenen Händen." (ebd. S. 56). Es wird historisch nachgewiesen, daß die Kalvinisten sogar die kniende Mundkommunion verboten haben, "um jeden Verdacht zu vermeiden, daß das Brot verehrt werden könnte." (ebd S. 57)
Die äußere Geste ist also von entscheidener Wichtigkeit um den Glauben unmißverständlich zum Ausdruck zu bringen. Dies aufgezeigt zu haben, ist ein bedeutender Verdienst des Buches "Dominus est".
Das Buch liegt an unsren Schriftenständen aus und kostet 8,00 .
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